hello!

Samstag, Juli 08, 2006

Viva Mexico...

Jetzt bin ich nun schon über zwei Monate im Land der Burger und ich muß gestehen: ich war kein einziges Mal bei McDo & Co.!! Dank dem nahen Mexico gibt es hier weitaus leckeres... Wie z.B. Geronimo's oder Don Fidencios, die - obwohl als Fast-Food und Drive-Thru-Läden einzustufen - fantastisches, hausgemachtes Essen
anbieten. Doch trotz allem hat uns Mexico ein wenig gefehlt. Abhilfe schafft die nahe Grenze.

Auf dem Weg dorthin sehen wir in groß, was wir in klein schon in Mogollon gesehen haben: Minen. Kilometerweit ziehen sich die Narben durch die Landschaft, zerfurchen Gräben und tiefe Löcher die sonst so sanften Hügel New Mexicos. Die seit zwei Wochen anhaltenden Mosunregen haben der Vegtation gut getan. Die charakteristische rote Erde ist immer noch deutlich sichtbar, doch der Grünanteil hat zugenommen. Büsche, die vorher nur trockenes Gestrüpp war, treiben erste Knospen. Kakteen, die zerknittert an Boden lagen, stehen wieder aufrecht. Am Straßenrand blühen Yuccapflanzen und die Luft riecht nach Regen. Doch je weiter südlich wir kommen, desto flacher und heißer wird das Land. Sandstürme, die den Himmel verdunkeln, sind hier keine Seltenheit und ich muß sagen: es fühlt sich nicht gut an.

Das Grenzstädtchen Las Palomas (Bundesstaat Chihuahua) ist anders als alle anderen Grenzübergänge. Lediglich Holperpisten verbinden das 1000-Seelen-Nest mit dem Rest Mexicos. Es gilt als das "dentale Auffanglager" für Amerikaner, die sich Zahnersatz im eigenen Land nicht leisten können. An der staubigen Hauptstraße reihen sich Zahnarztpraxen, Dentalkliniken und Apotheken aneinander. Der Grenzübergang selber ist löchrig, lasch und unspektakulär. Wir lassen das Auto im Niemandsland stehen und laufen auf die andere Seite. Wir gehen durch die falsche Tür und werden mit einem Lächeln läßt man uns durch den US-Eingang nach Mexico einreisen. Ganz ohne Paß- oder Personenkontrolle. Später bei der Ausreise fragt man lediglich nach dem Zweck unserer Reise. "Zahnarzt und gutes Essen", ist die Antwort. Ein kurzer Blick in den Paß und den freundlich bedauernden Kommentar, Deutschland hätte ja gegen Italien leider verloren... und das war's. Kein Blick in Taschen, Tüten oder Rucksäcke. Da muß ich mich schon wundern: Der Verrückte an der Spitze dieses Landes will an eben dieser Grenze eine Mauer bauen, und trotzdem kann man immer noch so unbehelligt rein und raus? Ich hätte anstatt meiner Mosaik-Fliesen kiloweise Sprengstoff ins Land bringen können. Oder gutes Essen. Wie schon gesagt: Palomas ist anders.

Die Zahnklinik selber ist in einem riesigen Saal untergebracht, an dessen äußeren Rand 10 Behandlungs-Kabuffs liegen - mit Regalen nur dürftig vor Blicken geschützt. Reinlaufen, anmelden und 'ne Stunde später hat man eine professionelle Zahnreinigung oder eine Krone für'n Appel & Ei... Es arbeiten etwa fünf Zahnärzte gleichzeitig, es gibt aber nur eine Helferin. Wenn etwas benötigt wird, regeln die Arzte das durch Zuruf und sie kommt gesaust - kreuz und quer durch den Raum. Im offenen Wartebereich sorgt ein Fernseher für Unterhaltung. Befremdlich ist für mich die Auswahl der gezeigten Spielfilme. Denn wenn der Bohrer mal brummt und der Sauger im Mund ist, tragen die Angst- und Schmerzensschreie der Titanic-Passagiere
nicht gerade zur Entspannung bei.

Doch die Beißerchen fühlen sich klasse an, sehen gut aus und haben sich bei der Nahrungsaufnahme bestens bewährt. Das Essen war erwartungsgemäß fantastisch und selbst der ultra-simple Burrito mit Bohnen und Käse schmeckte dank der hausgemachten Chilisaucen (grün und rot) noch ein wenig besser als ein paar Meilen
nördlich. Es war sogar so lecker, dass wir morgen nochmal hinfahren um kurz vor Heimflug nochmal in Habanero, Chipotle und Jalapeno zu schwelgen...

Hasta luego!
Petra

Freitag, Juni 30, 2006

Heiss...

Zuerst einmal eine lieben Dank an alle Glückwünsche, die uns per eMail oder als Kommentar zu "Honigmond" erreicht haben!! Einen dicken Dank auch an all die auf uns getrunkenen Prickelwasser...

Dem Flitterwochen-Budget angemessen haben wir das teure Pflaster SF verlassen und haben uns auf den Weg zurück nach New Mexico gemacht. Nach insgesamt mehr als 2500 Meilen sind wir also wieder in Silver City angekommen, erholen uns vom Roadtrip und lassen uns von der frischgebackenen Schwiegermama verwöhnen. Eigentlich wollten wir uns für den Rückweg mehr Zeit lassen aber die Hitze war mörderisch. Allein die 250 Meilen durch die Mojave-Wüste bei über 45 Grad waren eine echte Tortour - trotz Aircondition und ausreichend Kühlflüssigkeiten für Mensch und Maschine. Am Straßenrand wechseln sich Notrufsäulen mit zerfetzten Reifen ab, liegen mal heiß gekochte (und im Stich gelassene) Autowracks, mal tote (und platt gefahrene) Schlangen rum. Die Hitze flimmert auf dem pfannkuchenplatten Wüstenboden und zaubert verwirrende Bilder an den Horizont. Es gibt eine unglaubliche Auswahl an Radiosendern im amerikanischen Hinterland - die Hälfte davon spielt Country, die andere Hälfte Classic-Rock und Oldies. Wir genießen die letzteren...

An Rast-Stationen laden gemütlich aussehende Grillstellen zum Verweilen ein. Doch kaum steigt man aus dem Auto aus, trifft es einen wie ein Schlag: Die Atmung fällt schwer, die ersten Schweißperlen entwickeln sich. Auf dem Klo angekommen steht frau (wie überall auf dem Globus) erstmal Schlange und wartet. Glücklich ist, wer etwa hat, mit dem man sich Luft zufächeln kann. Kaum ist das Geschäft erledigt, huscht jeder wieder zurück ins - hoffentlich - klimatisierte Gefährt. Verweilen...? Nein, danke! Zum ersten Mal in meinem Leben ziehe ich Aircon dem offenen Fenster vor... Und trotz Hitze, Kargheit und Einöde hat auch diese Wüste etwas unbeschreiblich schönes.

Zwei weitere Stationen unsere Roadtrips, die mich sehr begeistert haben: Der Bryce Canyon und der Grand Canyon. Schon Tausende Bilder gesehen oder Reportagen gelesen... aber wenn man davor steht ist es, als hätte man es noch nie gesehen. Zum niederknien schön... Leider war die Masse an Touristen und Tagesausflüglern etwas zuviel und um die Schönheit in Ruhe genießen zu können, hätten wir ein paar Meilen hinter uns bringen müssen. Doch wegen der Hitze war daran gar nicht zu denken. Am Horizont haben wir schon die ersten Rauchwolken der Wildfeuer gesehen und da ist die Entscheidung einfach: weiter geht's.
Und während jedem einzelnen Tag der Heimreise brannte es an einer weiteren Stelle. Wir haben uns drauf gefreut, hier in der Umgebung unsere Lieblingsziele noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Doch mittlerweile brennt's auch dort - Willow Creek, der Catwalk, die Mogollons. Wir warten ab wie sich die Lage entwickelt...

Ich halte euch auf dem Laufenden und verbleibe mit damlichen Grinsen,
Eure Petra

Sonntag, Juni 25, 2006

Honigmond

Was soll ich sagen? Ich habe Euch - liebe Leser - lange zappeln lassen. Zwei Wochen lang hab ich jeden Computer und die Existenz einer Mailbox erfolgreich ignoriert... Doch zu meiner Verteidigung muß ich sagen: es ist viel passiert. Wir hatten Staub zwischen den Zähnen, Schweiß auf der Stirn und Blasen an den Füßen. Wir haben die großartigsten Canyons des Landes gesehen (der schönste Pantonefächer aller Zeiten... auf Naturpapier). Wir haben die Mojave-Wüste, Erdbeben und Sandstürme überstanden. Und uebrigens haben wir geheiratet.

Nicht unbedingt in eben dieser Reihenfolge aber das spielt keine Rolle. Will sagen: Ich bin nicht nur schreibfaul - ich genieße auch meine Flitterwochen. Wir treiben uns durch die Straßen von San Francisco - dort wo vor sieben Jahren alles anfing. Mission Dolores Park, Haight Asbury, Downtown. Die erste Nacht haben wir bei einem Freund Aarons auf der Couch verbracht. Und schon hier empfängt mich der charakteristische Geruch San Franciscos: Eukalyptus-Bäume. Das Haus ist aus ebendiesem Holz und, hat wunderschöne Glasarbeiten in den Fenstern, eine Kirchentür, mehrere miteinander durch Stege verbundene Balkone und einen Karpfenteich mit Wasserfall. Das Billiard-Zimmer rundet unseren ersten Abend stilvoll ab. Und da immer im Auto schlafen auf Dauer nicht gut für unsere alten Knochen ist, haben wir uns zur Feier des Honeymoons eine Absteige geleistet. Zwischen Downtown und dem Mission-District finden wir in einem Apartmenthaus ein kleines Zimmer im fünften Stock. Hier leben wir mit Südamerika, Afrika und Asien auf einer Etage, sind einem altersschwachen, unlecker riechenden Lift und den Erdbeben ausgeliefert (4.8 auf der Skala), aber genießen eine schöne Aussicht in Richtung Bernal Heights. Wir schlemmen ausgiebig für wenige Dollar in Chinatown oder Mission, doch könnte uns die Stadt in den Ruin treiben, wenn wir noch ein wenig länger bleiben. Irgendwie zieht's uns dieses Mal eher auf Land. Und so folgen wir dem Bauchgefühl und dem Kontostand, investieren eine Wochenmiete in Benzin und man sieht uns als Punkt am Horizont verschwinden.

Melde mich die Tage von der rosa Wolke...

Dienstag, Juni 06, 2006

Regen und mehr...

Und wieder einmal beginne ich einen Eintrag mit den Worten: "Wir sind immer noch in" Silver City. Eigentlich wollten wir schon seit Tagen weg sein, aber es ist etwas eingetreten, das wir uns nicht entgehen lassen konnten: Der Monsun. Seit genau vier Tagen kommen jeden Nachmittag massige, dunkelgraue Wolken von den Bergen zu uns heruntergezogen, der Wind bringt den Duft von fernem Regen und Staubwolken aus der Wüste mit und überzieht die Landschaft mit einem beigen Schleier. Neben der von Blitzen durchzogenen Monsterwolke scheint die Sonne ungehindert weiter und zaubert bei jedem fernen Schauer einen neuen Regenbogen. Der Donner grollt erst fern, dann immer näher und als das Gewitter direkt über uns ist, bricht mit einer heftigen Windböe der Hagel ein, der später in Regen übergeht und die staubige Luft reinwäscht. Zum Sonnenuntergang ist der Himmel wieder ungetrübt und der ausgetrocknete Boden hat alles aufgesogen. Nur in Downtown Silver City konnten die Wassermassen nicht mehr abfließen und haben kurzerhand die Hauptstraße überschwemmt. Daher gibt es heute reduzierte, weil naß gewordene, Lebensmittel günstig zu erstehen...

Wir haben den Regen dazu genutzt, Aaron's Mom bei der Herstellung ihrer Extrakte, Tinkturen und Salben über die Schulter zu schauen. Kräuter trocknen, mahlen, einlegen, abseihen und filtern. Das ganze Haus riecht (mal lecker) nach Echinacea oder Yerba Mansa, manchmal (eher unlecker) nach der bitteren Oregon Grape Wurzel. Die Küche sieht aus wie ein Labor für Hexenkunst: auf dem Kopf stehende abgeschnittene Flaschen zum filtern und abseihen, Mörser und Stösel, eine alte Mühle, Salbentiegel, Fläschen und Pipetten, das alles gut durchgemischt mit gut einem Dutzend großer Gläser mit eingelegten Kräutern. Und jetzt bin ich stolzer Besitzer einer eigens für mich zusammen gestellten Kräuter-Kollektion. Einen Immunsystembooster und einen Hormon-Balancer (für stressfreie PMS). Außerdem ein überraschend wohlschmeckender Wildblumen-Tee, in dem unter anderem roter Klee und Löwenzahnwurzeln zu finden sind.

Der tägliche Regenguß macht die Hitze deutlich angenehmer und so genießen wir jeden einzelnen Tropfen. Denn zwischen Silver City und San Francisco liegen 865 Meilen heißer, staubiger Wüste in Arizona und Nevada, die gerade Rekordhitze vermelden. Wir werden sehen, wieviele unserer Stopovers wir aufgrund der Hitze ausfallen lassen. Wir lesen uns die Tage... liebe Grüße,
Petra

Montag, Mai 29, 2006

Pfadfinderleben

Hallo meine Lieben!
Unsere letzten Tage in New Mexico brechen an. In Bälde starten wir unseren Roadtrip nach Kalifornien. Ein paar Erkundungen haben wir noch vor uns... Ich habe mich an Höhe und Hitze gewöhnt und jede Wanderung geht ein wenig leichter von der Hand. Doch manchmal ist das Wetter einfach zuviel. Ab 35 Grad wird jeder Höhenmeter zur Qual und unsere Leistung halbiert sich. Ein weiteres Problem stellt die Wasserversorgung dar. Die meisten Flüsse sind ausgetrocknet und so muß man wirklich jeden Tropfen auf den Rücken packen und eigenhändig in die Wildnis tragen. Das sind bei einer 2-Tages-Wanderung sechs Liter pro Person. Den Hund und die Kocherei noch nicht mitgerechnet. Da ist der Rucksack schnell voll... Und selbst auf Tagestouren sind wir notfallmäßig sehr gut ausgestattet: Das erste-Hilfe-Set mit Kompaß, Trillerpfeife und Signalspiegel (Danke, Tanja & Leslie), extra Wasser und eine Notration Trockenfutter. Warme Klamotten für eine behelfsmäßige kalte Nacht in den Bergen ebenso wie ein angemessen großes Buschmesser, das mir Karla mitgegeben hat. Zum Kräuter schneiden oder wilde Tiere abwehren. Es fühlt sich an meinem Gürtel irgendwie deplaziert an und ich fühle mich wie Indiana Jane. Doch beim ersten nächtlichen Toilettengang bin ich froh, daß ich es habe. Wobei ich mir im Zweifelsfall wohl eher ein Auge damit ausstechen würde als einen Bären zu vertreiben. Sowas nennt man wohl "gefühlte Sicherheit". Da trifft es sich doch gut, daß auch Deutschland gerade Nachhilfe in Sachen "Verirrte Bären" erhält. Ich hoffe, der Arme lebt noch...

Wir haben einen kleinen Abstecher zum Gila River gemacht, einer der wenigen, der momentan noch Wasser führt - wenn auch nicht sehr viel. Wir haben hinter vorgehaltener Hand den Tip erhalten, dem Fluß an einer abgelegenen Stelle stromaufwärts zu folgen um zu einer versteckten heißen Quelle zu kommen. Am Flußufer liegen verstreut riesige Felsbrocken, von denen man (bei Wasser-Höchststand) in den Fluß hüpfen kann. Momentan ist aber das Wasser aber viele Meter vom Stein entfernt. Wir müssen also verzichten und wenden uns stromaufwärts. Um uns herum die Berge des Gila Nationalparks, deren Farbe - je nach Sonnenstand - zwischen gelb, beige, rost, braun und grau variiert. Libellen und Singvögel brummen um uns herum. An einem verfallenen Biberdamm vorbei und mit dicken Stöcken als Gehhilfe waten wir durch das nur schenkelhohe Wasser, den Rucksack knapp über der Wasserlinie.

Untertauchen ist hier nicht, denn es gibt ein paar fiese Erreger, die den Körper z.B. durch die Nase entern und sich dann vermehren wie die Karnickel. Ins Wasser pinkeln ist auch nicht anzuraten, denn die folgen dem warmen Strom und nehmen halt einfach den anderen Eingang... Wir verkneifen uns also tunlichst den Drang und waten weiter. An manchen Stellen wird das Wasser zu tief und wir müssen auf ausgetrocknete Seitenarme ausweichen oder uns an Land vorarbeiten. Das gestaltet sich wegen der dichten Vegetation deutlich schwerer, und schon nach kurzer Zeit sind Beine und Arme von Kakteen und Dornen verkratzt und kleine Kletten müssen mit viel Fingerspitzengefühl aus der Haut gezogen werden. Um eine lange Wanderung zu verkürzen: wir haben die heißen Quellen nie gefunden - entweder waren sie zu gut versteckt oder schlicht ausgetrocknet. Mit matschbeschwerten Wanderstiefeln und von der Sonne heiß gekochtem Kopf, blutig gekratzt aber mit dämlichen Grinsen treten wir - besiegt aber nicht geschlagen - den Heimweg an.

Als knochenschonende Abwechslung haben wir uns den Gila Cliff Dwellings gewidmet. Eine riesige "Appartment-Höhle", in der Mogollon-Indianer sich vor über 1000 Jahren häuslich niedergelassen haben. Die Höhle liegt weit oben in der steilen Felswand und ist auf zwei Stockwerken unterteilt in verschiedene Wohneinheiten, Zimmer, Kochstellen und soziale Treffpunkte. Das große Außenfenster ist wie ein riesiger Balkon, läßt genug Licht und kühlende Luft ein und bietet einen wunderschönen Ausblick über das abgeschiedene Tal und den Gila-River. Hier muß es sich schön gelebt haben...

Und da behaupte nochmal einer, Amerika hätte keine Kultur. Auch wenn sie - in diesem Falle - "nur" 1000 Jahre zurückreicht, ist sie für mich nicht weniger faszinierend. Und hier in der Gegend hat's noch viel mehr davon. Es gibt viel zu tun... Ich mach mich mal ran.
Bis die Tage... Petra

Montag, Mai 22, 2006

Update...

Hallo zusammen!
Und wieder liegt eine schöne, aufregende Woche hinter uns. Angefangen hat sie ganz beschaulich, da Aarons Auto eine neue Kupplung brauchte und wir uns ein paar ruhige Tage zuhause gegönnt haben. Zusammen mit seiner Mom haben wir wie die Verrückten im Garten gearbeitet um dem Wüstenboden noch ein paar bunte Flecken hinzuzufügen. Das Ergebnis: ein ansehnlicher Küchenkräutergarten, Wildrosen, Begonien, afrikanische Gänseblümchen und viele Farbkleckse mehr. Als wir dann nachts mit sonnenverbrannter Haut im Bett lagen, hörten wir komische Geräusche aus dem Garten und dem dahinterliegenden Tal. Da lief eindeutig jemand (etwas?) durch die Dunkelheit und die verdorrten Äste knackten deutlich hörbar bei jedem Schritt. Mit weichen Knien - aber mit Bären-Abwehrspray, Taschenlampen und Hund "bewaffnet" - schleichen wir hinters Haus und lauschen. Was immer es ist, es ist sehr schwer und bewegt sich genau auf uns zu. Strider schnüffelt wie ein Irrer in alle Richtungen und als wir kurz nicht aufpassen, entwischt er zwischen den Büschen. Er bellt einmal kurz und laut und um uns herum erwacht das Leben. Das Donnern unzähliger Hufe bricht los - wie sie panisch durchs Unterholz brechen und vor dem "wilden Tier" flüchten, das freundlich schwanzwedelnd und stolz erhobenen Hauptes zu uns zurückgelaufen kommt. Am nächsten Tag erfahren wir, daß sich aufgrund der Trockenheit eine Herde von über 30 Elchen durch die Außenbezirke von Silver City treibt und sich des Nächtens an den Gemüsebeeten und Vorgärten labt. Doch bei uns sind sie leer ausgegangen. Bin gespannt ob sie wiederkommen...

Sobald wir das Auto zurückhatten, haben wir es einer ausgiebigen Reinigung unterzogen. Monate an Staub und feuchter Hundnase hinterlassen ihre Spuren...Und was macht man mit nem sauberen Auto? Eine Testfahrt. Die führte uns an den schönen Willow Creek. Die nächste Tankstelle liegt 50km entfernt, der nächste Walmart das dreifache. Der Outback von New Mexico: Die Mogollon-Mountains. An Lamas und Pinto-Pferden vorbei schlängelt sich die einspurige Landstrasse bis ins Geisterstädchen Mogollon, wo man immer noch alte Goldminen und Schürfwerkzeug findet. Einst Heimat von 3000 Schürfern wurde Mogollon nach dem Ende des Goldrausches zur Geisterstadt. In den 70ern von Hippies und Kräuterkundlern wieder entdeckt und seitdem von nie mehr als 30 Menschen bewohnt ist es heute ein schräges kleines Nest: Ein altertümliches Film-Vorführhaus aus Holz (mit Vorderbau für den riesigen Projektor) neben einem bunt bemalten (und bewohnten) Wohnwagen. Krämerläden, die nur Samstag und Sonntag geöffnet haben neben rostigen Autos, die wir zum letzten Mal gesehen haben, als "Die Waltons" noch im Fernsehen liefen. Die älteren Semester werden sich erinnern...

Nach Mogollon der Härtetest für die neue Kupplung: Über 30km Schotterpiste durch Pinien- und Lindenwälder, an Elchen und Kolibris vorbei bis ins Bärenland zum Willow Creek. Ein kleines Bächlein schnörkelt sich durch die Lichtung inmitten steiler Hügel. Bunte Vögel und riesige Schmetterlinge, außerdem die größten, rötesten Moskitos, die ich je gesehen habe. Sie stechen aber nicht und sind somit meine Freunde. Weniger freundlich stehe ich den Bären gegenüber. Nicht weit entfernt von hier wurden kürzlich zwei Pfadfinder von nem Bären getötet, weil sie ihre Schokoriegel nachts IM Schlafsack versteckt hatten! Und sowas nennt sich Pfadfinder... Wir hängen unsere Vorräte und Küchenabfälle 100 Meter weg vom Camp ganz hoch an einen Baum und schlafen ganz bärensicher durch die eiskalte Nacht. Außerdem haben wir ja noch Strider, der mir selbst zum pinkeln in den Wald folgt und derweil schnuppernd Wache hält. Wir haben gutes Lagerfeuer-Karma und finden eine bereits gemauerte Feuerstelle mit reichlich Brennholz unserer Vorgänger. Das erspart ne Menge Zeit, die wir in die Zubereitung eines leckeren Kokosnußcurry mit braunem Reis stecken. Camping-Dinner deLuxe... Danach werde ich in die amerikanischste Form des Grillsnacks eingeführt und röste zum ersten Mal einen Marshmallow. Vom Zedernfeuer außen braun gebrannt und knusprig, innen weich schmelzend und zuckersüß... irgendwie lecker.

Sonntag abend dann das Stadtgespräch der Woche: Die Premiere vom DaVinci Code. Aarons Mom konnte es sich nicht entgehen lassen und ist ins benachbarte Kino, um sich das Spektakel anzuschaun. Doch der eigentliche Film lief aber VOR dem Kino. Fanatische Christen aus der Nachbarschaft haben die Premiere zum Anlaß genommen, um gegen Blasphemie im Besonderen und das Böse im Allgemeinen zu protestieren. Die Kirchengegener waren natürlich auch zugegen und so war schon vor dem Film die Hölle los. Karla war begeistert... Mit ihr zusammen zu wohnen ist eigentlich wie in einer WG. Das Haus ist groß genug für uns drei (und Strider) und wir kommen sehr gut miteinander aus. Als Hippie, Astrologin und Kräuterkundlerin muß man nur damit rechnen, daß schon beim Frühstück über Sex, Stuhlgang und Superskunk geredet wird...

Aus Stuttgart ist Arbeit eingetroffen und da trifft es sich gut, daß es endlich angefangen hat zu regnen. Also dann, an die Arbeit!
Liebe Grüße, Petra

PS: ich erwarte natürlich einen detaillierten Bericht von Silke's 40er-Feier, derer wir mit einem Gläschen Wein gedacht haben. Hoffe, Ihr habt's gut rocken lassen!!

Samstag, Mai 13, 2006

Wild ist's im Westen...

Hallo meine Lieben!
Keine Ahnung woran es lag, aber dieses Mal hat es deutlich länger gedauert, meinen Körper an die Höhe zu gewöhnen. Da die Berge des Gila National Parks auf über 3500 Meter reichen, hatte ich (aus dem niedrig liegenden Stuttgart kommend) echt Probleme damit, mich zu akklimatisieren. Die dünne Luft erschwert die Atmung und manchmal fühlt es sich an, als wäre man betrunken. Die Beine werden schwer, die Schritte werden langsamer, der Kopf pocht und die Ohren sausen. Erschwerend hinzu kommt die extrem trockene Wüstenluft, die die Nase bluten lässt.

Um dem höhegeplagten Körper eine Pause zu geben, haben wir uns die niedriger liegende "City of Rocks" vorgenommen. Eine riesige Felsformation - von dem Ausbruch eines Seevulkans geschaffen - liegt wie wahllos hingeworfen und vergessen mitten in der ansonsten pfannkuchenflachen Wüste zwischen den Mimbres-Mountains, vormals Heim des gleichnamigen Indianerstamms. Es ist trotz nachmittäglicher Sonne immer noch verdammt heiß, als wir mit Kopfbedeckung und Kamera losziehen, die Felsenstadt zu erkunden. Aufgrund der hohen Dichte an Klapperschlangen haben wir den Hund vorsichtshalber daheim gelassen, da der seine neugierige Teenager-Nase in jede Ritze steckt. Wir schlängeln uns durch die kleinen verzweigten Canyons, unter Überhängen hindurch oder über Maulwurfshügel kletternd bis zur "Stadtmitte" und überblicken die City of Rocks und die umliegenden Berge. Ein paar kleine Tornados, Dust-Devils genannt, ziehen über das flache Land und wirbeln den Staub Hundert Meter hoch in den Himmel. Auf dem Rückweg zum Camp erschrecken wir noch eine (wie sich später herausstellt: harmlose) Wüstenschlange, die daraufhin schnurgerade und furchteinflößend schnell auf uns zuschießt und zu allem entschlossen scheint. Man hat selten zwei Menschen so hoch und gleichzeitig so weit springen sehen...

Und als sich die Sonne mit einem furiosen Farbspektrum verabschiedet, geht auf der gegenüberliegenden Seite der rote Vollmond über dem Dragoon Mountain auf. Später in der Nacht erhellt der Schein des Mondes die gespenstische Landschaft meilenweit und die Schatten der Felsen zeichnen seltsame Muster. Die Wüste macht fremde Geräusche und spielt dem Hirn Streiche. Doch sobald ich neben meinem Schatz im Schlafsack liege, ist die Welt so sicher wie sie nur sein kann. Mitten in der Nacht aufs Klo zu müssen ist natürlich wieder eine ganz andere Sache...

Außerdem haben wir uns die Black Range Mountains vorgenommen. Winzige Campsites inmitten eines schön duftenden Zedernwaldes. Adler kreisen über dem Tal. Kein Haus, kein Klo, kein fließend Wasser oder sonstige Annehmlichkeiten der Zivilisation. Nur Wildnis. Herrlich... Sandige Wanderpfade schnörkeln sich um riesige Steinbrocken und durch das momentan komplett ausgetrocknete Flussbett. Die freiwillige Feuerwehr schaut kurz vorbei und gibt uns eine kleine Einweisung bezüglich der momentan sehr hohen Waldbrandgefahr. Das Feuer darf nur kniehoch sein und muß von einer mindestens ebenso hohen Steinmauer umgeben sein. Löschwasser stets in Griffweite haben und nie das Camp verlassen ohne die Glut mit Wasser zu löschen. Eine Windböe könnte die Funken in die nahen Bäume treiben und im Handumdrehen eine zehn Meter hohe Fackel zaubern. Im Flussbett finden wir genügend Treibholz, das uns einen warmen Abend bescheren wird. Die Schwierigkeit ist nur, die Äste zurück ins Camp zu bringen ohne daß der Hund sie uns aus dem Händen reißt und wegrennt. Er kann gar nicht verstehen, warum er mit den vielen Stöckchen nicht spielen darf. Das daraus resultierende Lagerfeuer geht als "Das Einfachste aller Zeiten" in die Geschichte ein. Selbst die dicken Äste sind so trocken, daß sie ohne Probleme sofort Feuer fangen. Nach Einbruch der Dunkelheit hören wir die Kojoten heulen und vorwitzige Wildmäuse erkunden das Lager. Doch wir haben alle Küchenabfälle vakuumdicht verpackt und geruchssicher verstaut - weit weg vom Camp. Wir haben eine ruhige Nacht, die weder von Bären noch Berglöwen gestört wird. Unsere erste Begegnung am nächsten Morgen ist eine Schwarzschwanz-Klapperschlange, die sich mitten auf dem Weg in der Morgensonne aufwärmt und sich durch nichts stören lässt.

Fazit: Hier im wilden Westen muß man mit allem rechnen. Wir sind bereit. Und meine neuen Wanderschuhe haben sich bestens bewährt. Kakteen- und Schlangensicher läuft es sich wunderbar und die einzigen Blasen die ich momentan mit mir rumgetrage, stammen von meinen Uralt-Flipflops... Es ist ein Traum.
Es besteht die Möglichkeit, daß wegen der Waldbrandgefahr Teile des Nationalparks in Bälde gesperrt werden. Bevor es soweit kommt, wollen wir die unbegrenzte Freiheit natürlich noch auskosten. Falls ihr also ein paar Tage nichts von mir hört, sitze ich vermutlich irgendwo in der Wildnis und habe ein dämliches Grinsen auf dem Gesicht.

Der Westen ist wild. Und ich bin mittendrin.

Montag, Mai 08, 2006

Angekommen...

Ich bin verzaubert! New Mexico ist wirklich ein magischer Ort. Die rote Erde mit den gelben Felsern, vereinzelten grünen Kleksen und silbern glänzende vertrocknete Baumskelette. Dazu strahlend blauer Himmel und angenehme 27°... Es fühlt sich eher nach Mexiko an. Man erkennt Amerika an der Vielzahl von Kirchen, Walmart & Co und an dem Aufkleber in der Waschanlage: "Keep America beautiful: wash your car". Doch sogar Polizisten sprechen hier spanisch miteinander und es hat mindestens ebensoviele mexikanische Restaurants wie Burgerbuden. Silver City und das Umland ist zudem ein Zentrum von Alternativen, Hippies oder Kräuterkundlern. Wenn man hier keine Dreadlocks hat und einen BH trägt, geht man fast schon als Spießer durch. Regimegegner und Revolutionäre allerorten. Fanatische Christen und Rebellen in einer Nachbarschaft. Neben den handelsüblichen "Jesus loves you" Aufklebern ziert hier auch deftiges die Stoßstangen: "George Bush would change his mind. If he had one." Großartig!

Die Landschaft ist ein Traum: Bereits nach dem ersten kurzen Ausflug in das Tal hinter dem Haus habe ich mir am nächsten Tag erstmal anständige Wanderschuhe geleistet. Meine Chucks in allen Ehren aber gegen fiese Stacheln und Klapperschlangen trete ich lieber mit was robusteren an. Und so sind wir jeden Tag in die Gila-Mountains gefahren um uns "einzuwandern". Sind jedes Mal eine Meile länger gelaufen oder wahlweise höher hinauf. Meinen Körper langsam an die Höhe gewöhnen. Es gibt hier so viel zu sehen, daß wir uns noch nicht so bald gen San Francisco bewegen werden. Dafür waren wir am gleichnamigen Fluß, den wir samt wasserscheuen (und sich heftig sträubenden) Hund überquert haben. Am Ende waren wir alle nass und Strider hat's genossen.

Gestern haben wir uns den "Catwalk" vorgenommen. Schon der Weg dorthin ist spektakulär. Geier kreisen über der mondartigen Ebene, die nur mit Kakteen, vertrockneten Büschen und bizarren kahlen Bäumen bewachsenen ist. Im Hintergrund ragen die mächtigen Mogollon-Berge auf. Es geht durch winzige Dörfer mit bunter Cowboyatmosphäre, rostigen Oldtimern und wunderschönen Pferden. "Last Chance-Liquor Store" in denen es alles zu kaufen gibt von Lebensmitteln über Cowboyzubehör und Tierfutter.Der Catwalk hat dann alles übertroffen. Ein schmaler Wanderweg, der sich wunderschön durch einen engen Canyon schlängelt - immer haarscharf zwischen Steilhang und Abgrund. Über Hängebrücken und Stege läuft man an Koyoten-Schiß und braunen Baumschlangen vorbei zu Wasserfällen, Gräben und Schluchten mit türkisenen Wasserlöchern. Es wird mir klar, warum New Mexico der Staat ist, der als letztes den Amerikanern in die Hände fiel. Die Berge sind hervorragend für einen Hinterhalt und selbst heute fühlt man sich gerade so, als ob jeden Moment eine Truppe Indianer um die Ecke galloppiert.

Heute pflegen wir unseren Muskelkater und gönnen den müden Knochen eine Pause. Aaron spielt Gitarre und ich sitze samt Laptop unter einem lilablühenden Baum, und genieße den Ausblick über die Wüste. Es könnte uns kaum besser gehen.

Liebe Gruesse, Eure Petra

Mittwoch, Mai 03, 2006

Indianerland

Hab das erste Etappenziel erreicht und bin gut in Silver City angekommen. Aaron hat mich am Flughafen El Paso abgeholt und da es bereits spät am Tag war und ich total am Sack war, haben wir uns ein nettes Zimmer ergattert und konnten einen schönen Blick nach Mexico genießen. El Paso ist echt ein schräges Nest. Schwarzhandel und Schmuggel blühen derart, daß es in der Stadt etliche "Bail-Shops" gibt, Agenturen, die einen gegen Kaution aus den diversen Gefängnissen der Region holen. Die exponierte Lage und Größe der Offices zeugen ebenso von der immensen Nachfrage nach diesem Service wie die firmeneigenen Fuhrparks mit auffälliger Eigenwerbung und 24-Stunden-Hotline.

Auf dem Weg nach Silver City habe ich (alleine in Texas) bestimmt mehr Kühe gesehen, als im gesamten deutschsprachigen Raum existieren. Die Interstate 10 führt so nahe am Niemandsland zu Mexico entlang, daß alle paar Kilometer Grenzpatroullien Checkpoints errichtet haben. Nationalität- und Kofferraum-Check. Solange man nicht Mexikaner ist, will keiner auch nur einen Ausweis sehen... Kaum die Grenze nach New Mexico überfahren, kamen die ersten Touristen-Shops mit Indianer-Kunst und -Kitsch wie: ausgestopften Klapperschlangen, Kopfschmuck oder Schneekugeln - gefüllt mit Tipi und Kakteen.

Das Haus von Aaron's Mom in Silver City ist im traditionellen Lehmstil gebaut und so ausgerichtet, daß die Wüstenhitze erträglich wird. Der Garten (mit mühsam dem Wüstenboden abgerungenen Blumen) geht nahtlos über in ein kleines Tal, daß in der Regenzeit geflutet ist, momentan aber ausgetrocknet und verdorrt daliegt. Die wenigen Nachbarhäuser sind hinter Tannen und struppigem Gebüsch verborgen. Heute morgen schon die erste kleine Erkundungstour gestartet. Auf sandigem Boden ging es steil bergab, vorbei an Kakteen aller Art, Größe und Gemeinheit. Aaron gibt mir gleich eine Einführung, auf was ich hier acht geben muß: Giftige Stacheln von winzigen Kakteen, Skorpionen, Klapperschlangen und Spinnen, die einen zwar nicht zwangsläufig umbringen aber deren Gift die Haut zersetzt. Je mehr er erzählt, desto vorsichtiger und langsamer schleiche ich durch das Wüstengras.

Wir lassen es heute langsam angehen. Jetlag loswerden, den ersten Sonnenbrand pflegen und den Sonnenuntergang genießen. Hoffe, der Frühling hat auch bei Euch Einzug gehalten. In diesem Sinne: lasst die Sonne rein!

Petra

PS > hab schon tolle Fotos gemacht... der Computer will sie mich aber nicht hochladen lassen... Versuch's die Tage nochmal.

Sonntag, April 23, 2006

Rückenwind...

Das mit der Reiserei ist so eine Sache. Viele denken, man brauche dafür besonders viel Mut. Ich denke, "Neugier" ist das passendere Wort. Hin und wieder haben wir doch alle die Hosen voll. Auch ich bin nicht davor gefeit, mich von unserem deutschen Sicherheitsbedürfnis am Kragen packen zu lassen. Mir von ihm einreden zu lassen, ich könne ja nicht schon wieder meine Kunden im Stich lassen, ich müsse noch viel mehr arbeiten, mir ein dickes Sicherheitspolster anlegen und im Jahr maximal 2 Wochen Urlaub machen.

Doch wenn ich eines aus der letzten Reise und ihren Widrigkeiten gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis, daß das Leben jederzeit vorbei sein kann. Einmal in den falschen Bus eingestiegen und zur falschen Zeit am falschen Ort sein und der Film ist zu Ende... Und da bekanntlich jeder ersetzbar ist, bin ich mir sicher, daß meine Kunden nicht in den Abgrund steuern nur weil ihre Grafikerin auf Reisen geht. Das Werberad dreht sich auch ohne mich weiter. Neben der Grafik hält mich die Schreiberei schön auf Trab. Ich freue mich vermelden zu können, daß man unter Yabadu.de meinen Outdoorführer für den Haleakala-Vulkan auf Maui finden (und kaufen) kann.

Und wenn ich spätabends immer noch Energie habe, dann bastel ich schön meditativ an meinen mosaik-verzierten Zigarrenboxen. Derer sind es mittlerweile so viele, daß ich weder den Platz noch den Schnickschnack habe, den man darin aufbewahren könnte. Sollte also einer meiner geneigten Leser Interesse haben... Gebote werden gerne angenommen. :)

Links: "Blumen" (Maße: 18,5 cm Breite, 3,5 cm Höhe, 15,5 cm Tiefe)
Mitte unten: "Streifen" (18 cm Breite, 4,5 cm Höhe, 15,5 cm Tiefe)
Mitte oben: "Grün" (13 cm Breite, 3 cm Höhe, 11 cm Tiefe)
Rechts: "Kreuz" (21 cm Breite vorne, 16 cm hinten, 7 cm Höhe, 18 cm Tiefe)



Die letzte Woche vor Abflug wird wie immer turbulent und ich hoffe, auch mal durchatmen zu können. Die vertraute Aufregung zieht kribbelnd die Wirbelsäule hoch und ich kann's kaum erwarten, meinen betagten Rucksack zu packen. Der hat mich mittlerweile durch über 15 Länder klaglos begleitet. Und das nächste folgt sogleich... Doch Reisen in den USA ist anders: Kein Malaria Stand-By oder eigene, sterile Spritzen mitnehmen müssen, keinen gefälschten Ehering am Finger haben und sich in züchtige, blickdichte Schlabberklamotten hüllen zu müssen. Ob es allerdings "zivilisierter" ist, vermag ich nicht zu sagen.

Ich überlasse die abschließenden Worte Thomas D. und seinem "Rückenwind"

Also hau ich ab mit Sack und Sack und
pack ein Paar meiner sieben Sachen die ich hab
und da wird mir klar es fehlt immer ein Stück

Doch wenn ihr beteuert mich zu verstehn
dann lasst mich gehn und wir werden uns wiedersehn

Und ihr seht mich als Punkt am Horizont verschwinden
um ein Stück weiter hinten mich selbst zu finden

Mittwoch, April 05, 2006

Neulich im Frühling...

... kämpften wir uns trotz Hamburger Nieselregen und steifer Brise aus dem Haus und wollten zu später Stunde einen Irish-Pub (bei der Großen Freiheit) betreten. Dick eingemummelt und durchgefroren wollte ich mich elegant am Türsteher in die nahende Wärme schlängeln, als der mich mit einem harschen "Ausweis, bitte!" stoppte. Ich bin seit 14 Jahren volljährig und auch wenn ich (zugegebenermaßen) jünger aussehe habe ich doch seit Urzeiten keinen Ausweis mehr dabei wenn ich auf die Piste gehe. "Nein, auch keinen Führerschein", bekräftigte ich und die Kälte ließ mein bittendes Lächeln auf meinem Gesicht festfrieren. Nichts zu machen. Erst als ich mir die Mütze abnehme und ihm im Dämmerlicht jedes einzelne meiner grauen Haare vorführe, glaubt er mir, daß ich die 18 schon überschritten habe. Na, also! Der Einlass wurde gewährt und wir konnten uns bei einem Old-School-Alkopop Desperados aufwärmen... Da soll noch mal einer sagen, graue Haare seien störend!
Hamburg hat mich umgehauen – und nicht nur weil mich kurz nach meiner Ankunft das Freitags-Feuerwerk des Doms beglückt hat. Hatte ein Spitzen-Wochenende... Danke, Lore! Wenn wir weiterhin soviel laufen, gehört der Jakobsweg früher oder später uns!

Kaum zurück in Stuttgart beschert mich der April mit gewohnt abwechslungsreichem Wetter, ist der Müll noch immer deutlich sicht-/riechbar und wird durch dazwischen blühende Osterglocken aufgepeppt. Der Frühling ist da! Mein Ticket nach San Francisco ist reserviert und so langsam geht die Phase der Reisevorbereitung wieder los. Jobs abschließen, abrechnen oder verteilen, Kosten reduzieren, Versicherungen abschließen oder einfrieren. Die Frage, was ich mit der Wohnung mache, ist noch nicht mal ansatzweise geklärt.

Aber die Vorfreude kriecht so langsam vom Bauch Richtung Kopf... Hätte nie gedacht, daß die Aussicht, nach Amerika zu fliegen, mich jemals so in Aufregung versetzen würde. Ein toller Mann dahinter macht eben den Unterschied. Der momentane Plan ist es, uns von New Mexico aus mit Truck & Zelt durch die südlichen Staaten langsam nach San Francisco vorzuarbeiten. Den einen oder anderen Abstecher in Canyons, Berge oder Wüsten. Oder nochmal nach Mexico. Bauchgesteuertes Reisen. Und dann? Hoffentlich in SF ein kleines, bezahlbares Zimmer in Chinatown finden, jeden Tag lecker essen und schon morgens den Geruch Asiens in der Nase haben. Aber bekannterweise kommt alles anders als man denkt. Also lass ich mich mal wieder vom Reise-Flow überraschen.

Aufträge, die auch mit Laptop oder Postkarten abgewickelt werden können, nehme ich natürlich gerne an...

Mittwoch, März 22, 2006

Fernweh oder nicht weh...

Das mit dem Fernweh ist so ne Sache... Manchmal trifft die einen die Linderung von unerwarteter Seite. Nachts träumt man noch von Indien und am nächsten Tag (die Temperaturen sind gerade so über den Nullpunkt geklettert) riecht es schon wie auf dem Subkontinent.

Dank den seit 7 Wochen streikenden Müllmännern riecht es in Stuttgart wie in einer indischen Kleinstadt: Ein feiner Dunst von Küchenabfällen und Babykacke liegt in der Luft und nachts hört man verdächtig quietschende Geräusche aus dem Hinterhof. Die sonst so sauber geleckte Königstrasse sieht (ganz unschwäbisch) aus wie nach der Love-Parade. Das schmerzt den Old-School-Kehrwochen-Schwaben, aber mich macht's seltsam glücklich und bringt mir einen Hauch von Entwicklungsland-Feeling.

Fehlen eigentlich nur noch Kühe, die alles sauber futtern. Dazu noch das Stakkato der Riksha Hupen und man würde sich fast in Kalkutta wähnen... Warum denn in die Ferne schweifen wenn der Geruch doch schon so nah?

Nichtsdestotrotz freu ich mich schon, wenn ich das nächste Flugticket in der Hand halte. Bis dahin heißt's: Durchhalten!

Halte euch auf dem Laufenden...

Dienstag, März 07, 2006

Danke, Bec!

Ein kleines fotografisches Gulasch, das mir Bec hat zukommen lassen. Von Hurricane-Langeweile über Poker-Marathon, guatemaltekisches Farbspektrum oder belizeanische Einwanderungsbehörde, Chickenbus-Wahnsinn oder karibisches Nichtstun...

Pura Vida!

@Bec: Gracias, mi hermana! It was a pleasure being on the road with you again. See you next time!

Mittwoch, Dezember 14, 2005

Un Poco de Todo...

Habe meine letzten Tage in Antigua verbracht und sehr genossen. Ohne vorbeiziehenden Hurricane und knoechelhohes Wasser in den Strassen ist es hier noch schoener. Ausserdem sieht man die Schlagloecher im Asphalt besser... Habe ein schnuckeliges Hotel im Zentrum gefunden, das eine tolle Dachterrasse hat. Von dort oben hat man einen Blick ueber die Stadt und die umliegenden Vulkane (die ich erst dieses Mal zu Gesicht bekam).

Hatte einen Heidenspass auf den Maerkten: Handeln, plappern, gestikulieren, lachen und last but not least: shoppen!! Leider muss dafuer das ein oder andere Kleidungsstueck hierbleiben - der zu zahlende Preis fuer einen kleinen Rucksack. Zum Glueck fliege ich morgen... noch ein paar Tage mehr und ich haette mich ruiniert!

Meine liebste Zeit des Tages sitze ich meistens auf einer Bank am Parque Central. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen verschwunden und der Himmel scheint in einem Spektrum von blau bis orange und kontrastiert schoen mit den bedrohlich aussehenden Wolken, die der Wind tagsueber ins Tal geblasen hat. Der Brunnen ist beleuchtet, die quadratisch geschnittenen Baeume und die umliegenden kolonialen Schmuckstuecke sind reich mit Lichterketten verziert und aus den Laeden dringt eine musikalische Mischung aus "Feliz Navidad", "Juanez" und "Dreaming of a white Christmas". Und das tue ich auch. Glaubt es oder nicht, aber ich freue mich, wieder nach Hause zu kommen. Es ist Zeit... Das heisst nicht, dass ich in Gedanken nicht schon wieder mit der naechsten Reise spiele. Bei aller Liebe zu Stuttgart, und meinen Lieben wird sich das wohl nie aendern. Nur eines weiss ich gewiss: es wird ausserhalb der Hurricane-Season sein!

Es war eine wunderschoene, anstrengende und lehrreiche Zeit. Meine Plaene wurden von Stan, Wilma und Beta gruendlich durcheinander geworfen. Freude und Leid, Leben und Tod, Angst und Mut, Triumph und Niederlage lagen oft nur wenige Stunden auseinander. Ich habe gelacht und geweint, geliebt und gehasst, gekaempft, gewonnen oder verloren. Doch selbst die dunkelsten Momente haben mir die liebenswuerdigsten Menschen beschert (Danke Aaron, Edgar, Noah, Fernando, Magdalena, Raoul, Claudia, Sophine und alle namenlosen Engel).

Ich habe viel ueber mich gelernt und bin bis ueber beide Ohren inspiriert. Ich habe neue Freunde gewonnen und alte wiedergetroffen. Ich habe eine neue Sprache gelernt und ohne diesen Blog vermutlich meine eigene komplett verlernt. Ich kann mir kaum vorstellen, hier nicht mehr alle paar Tage meine Gedanken reinzuschreiben. Es hat gutgetan, ganz gleich wie viele Menschen mir dabei "zugehoert" haben. Also denn: Hasta muy pronto! Same time, same place...

Und nie vergessen: La vida es corta - DISFRUTALA ! ! !

Sonntag, Dezember 11, 2005

Deja Vu...

Wer mich lange genug kennt, weiss dass ich gerne das letzte Wort habe. Und es hat mich verdammt gewurmt, dass Stan (das Wetter) mir einen Teil meiner Reise genommen hat. So konnte ich es also nicht lassen und hab mich auf den Weg an den Lago Atitlan gemacht. Und ich muss sagen: es ist wirklich wunderschoen dort!!!


Ohne horizontalen Regen, Erdrutsche und Windboen laesst es sich dort wirklich aushalten. Leider hat die Fahrt auch einige unschoene Erinnerungen hervorgebracht, die ich an Mexicos Straenden wunderschoen verdraengt hatte. Und schwupps: sind die Alptraeume wieder da... Ich denke, mit denen werd ich wohl noch ein bischen leben muessen aber es hat trotzdem gutgetan, diesen Schlenker zu machen. Fuck you Stan, ich war trotzdem dort!!! Es hat nur etwas laenger gedauert...

Die Fahrt mit den Chickenbussen war wie immer ein echtes Erlebnis. Der Bus war so ueberfuellt, das der Fahrer alle Macheten einsammeln liess um sie am Eingang zu deponieren. So konnte er die Kurven so eng und schnell nehmen ohne dass jemand versehentlich einen Mitreisenden verletzt...
Immer wieder steigen Verkaeufer zu, stellen sich in den ueberfuellten Mittelgang und packen ihre Ware aus. Meistens Tabletten oder Tropfen, die (denAnpreisungen zu Folge) gegen alles helfen. Und er zaehlt auf: Magengeschwuere, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Schnupfen und Hautkrebs. Das hoert sich fuer mich beinahe laecherlich an, doch ueberrascht muss ich feststellen, dass er knapp ein Dutzend davon verkauft. Ne halbe Stunde spaeter steigt ein anderer Typ zu, will das gleiche Produkt verkaufen, zaehlt aber eher "Krankheiten" wie Muskelschmerzen, Regelprobleme und Krampfadern auf. Keiner kauft ihm etwas ab...

Der naechste der etwas anpreist will ausnahmsweise nichts verkaufen sondern ist eher auf der Suche nach neuen Seelen. Mit einer uebergrossen Bibel lamentiert er ueber das Leid des Herrn und verspricht den Himmel... gegen eine Spende natuerlich. Ich muss nicht erwaehnen, dass er von mir nichts bekommen hat ausser einem unchristlichen Laecheln...

Eine kleine Anekdote zur Erheiterung: Beim Besuch des Marktes in Xela hab ich (Miss Guckindieluft) ein Loch im Asphalt uebersehen, bin gestolpert und direkt vor einem Shop der Laenge nach aufgeschlagen. Die Maedels kamen gleich an um mir aufzuhelfen. Alles war in Ordnung doch da es mir die Aufmerksamkeit peinlich war, sag ich in Spanisch: "Estoy embarazado" (wie im englischen "embarrassed") woraufhin alle ganz aufgeregt durcheinanderplapperten und mich fragen "De veras" (Echt). Was fuer ne bloede Frage denke ich und sage: "Solo un poco" (nur ein bischen). Allgemeines Gelaechter ist die Folge... Mittlerweile weiss ich dass "embarazado" nicht "peinlich" heisst, sondern "schwanger". Fuer alle die jetzt die Haende ueber dem Kopf zusammenschlagen: NEIN, ich bin nicht schwanger. Das einzige lebende Mitbringsel ist mein Wurm...

Speaking of which: Ich habe eine kleine Arzt Tour unternommen um zu hoeren was die Herren in Weiss zu meinem Mitbewohner zu sagen haben. Und es ist erstaunlich: Einer kam sogleich mit einer Pinzette an, um ihn mir zu "entfernen", der naechste wollte mir eine Brille verschreiben und der Dritte verschwand ohne weitere Erklaerungen im Hinterzimmer um mit einer Spritze wiederzukommen. Die Guatemalteken sind verrueckt nach Spritzen. Jeder Apotheker hat ein gutes Sortiment davon, und sie werden fuer alles von Kopfschmerzen ueber Hautausschlag oder einfach nur "fuer die Nerven" gegeben. Unnoetig zu sagen, dass ich mich in allen drei Faellen freundlich bedankt hab und mich schnell aus dem Staub gemacht hab... Ich hab sogar versucht, ihn mit einem anderen Wurm zu vertreiben und hab mir mit Aaron ein Flaeschen Tequila geteilt... inklusive dem schwimmenden Wurm. Und ich muss sagen, er hat gar nicht so schlecht geschmeckt!

Heute halte ich mich ernaehrungstechnisch eher an Tacos...
Hasta luego!!!

Donnerstag, Dezember 08, 2005

a long way cut short....

Hola a todos!
Mein Visa lief aus und ich musste mich schnell wieder auf den Weg nach Guatemala machen. Also hab ich meinen Suessen verabschiedet (schnief), meinen Rucksack gepackt und mich auf den langen Weg zurueck gemacht.
Der Zufall (oder das Schicksal - suchts euch raus) hat uns nach vielen Jahren ein zweites Treffen beschert, und ich bin mir sicher, das Leben (oder irgendeine Fluggesellschaft - suchts euch raus) wird uns eine weitere Moglichkeit bieten...

Busreisen in Mexico ist so ziemlich das luxurioeseste, das ich je erlebt habe. Sitze, in denen man sich zuruecklehnen KANN (und nicht MUSS weil der Sitz kaputt ist), Fernseher, Klo (spart 80 Pinkelpausen) und (man hoere und staune) Cola for free!!! So liess sich die 14stuendige Fahrt von Veracruz nach Tapachula gut ertragen. Davor hatte ich einen netten Lunch mit Raoul, einem 12jaehrigen, der seit 5 Jahren auf der Strasse lebt. Er hat mich um Geld angebettelt und dabei aber nur auf meinen Teller gestarrt. Also hab ich ihn eingeladen, sich zu mir zu setzen. Haben nett geplaudert und gelacht. Bin ueberrrascht wie weit mich mein Smalltalk-spanisch schon bringen kann. Bin fliessend in shoppen, Essen bestellen, Tickets kaufen und Taxifahrer davon abhalten, mich abzuzocken...

Im Grenzort Tapachula angekommen dann eine typische, Mittel- und Suedamerkanische Eigenheit. Man wird einen Kilometer VOR der Grenze aus dem Bus geworfen und laeuft dann quasi durch das Niemandsland auf die andere Seite und holt sich seine Stempel. Zwei Taxen und drei Chickenbusse spaeter bin ich nun (nach Gesamtreisezeit von 30 Stunden) in Quetzaltenango oder kurz Xela (sprich: Schayla) angekommen. Auf dem letzten Teilstueck hat man deutlich die Spuren von Stan gesehen: Doerfer die keine mehr sind, Flussbette die 10mal so breit sind wie der eigentliche Strom, weggespuelte Strassen, die jetzt ueber des Bauern abgeerntetes Maisfeld fuehren. Der Fahrer auch sehr typisch: wie ein Irrer ueberholt er in blinden Kurven waehrend er am Handy mit seiner Frau das Abendessen bespricht und die Musik wechselt. Gestoppt wird fuer neue Mitreisende nicht, nur abgebremst... aufspringen muss man schon selber...

Hier angekommen folgte vor der verdienten Ruhe erstmal die Suche nach einer Unterkunft und ich habe sie gefunden: Ein nettes kleines Hotel im Zentrum, das sich hauptsaechlich auf alleinreisende Maedels konzentriert. Habe ein schnuckeliges Zimmer fuer sagenhafte 40 Quetzales und einen ueppig begruenten Balkon fuer mich. Die heisse Dusche war vermutlich die beste aller Zeiten und ich muss sagen: manchmal sind es die einfachen Dinge, die das Leben besonders schoen machen. Ich rieche jetzt wieder gut und spaziere nochn bischen durch die Stadt und schaue mal was der Markt zu Essen hergibt. Danach straight on in die Falle..... Die einfachen Dinge.....

PS: 1000 Dank (Ma&Pa, Andrew und die WRFler) fuer die Infos ueber all die moeglichen Wuermer die sich gerne in Augen aufhalten!!! Meinem Kollegen gehts gut, ich behalte ihn im Auge. Oder werf ein Auge drauf. (ich weiss lahmer Scherz, konnts mir nicht verkneifen...). Wenigstens hab ich jetzt ne Reisebegleitung....

Dienstag, Dezember 06, 2005

Update...


Eingerahmt von einsamen Straenden und winzigen Doerfern sind wir den Industrieanlagen von Veracruz entronnen und haben einen wunderschoenen Strand entdeckt. Brauchten drei Tage um herauszufinden wo wir ueberhaupt sind.

Leben mit einer netten, 7-koepfigen Familie in einem baufaelligen Haus auf einer Klippe, Baumaterial faellt von den Waenden, die Dusche wuerde man nie barfuss betreten und der Schimmel ignoriert man besser. Aber es ist unschlagbar guenstig und der Balkon mit besagter Aussicht ist einzigartig!!!

Heute zu Besuch Freunden Aarons in der Grossstadt. Nur hier habe ich Zugang zu Internet. Melde mich daher fuer ein paar Tage offiziell ab. Mir gehts gut und ich duese jetzt wieder an den Strand. Liebe Gruesse aus Xalapa!
Petra

ps: Danke an alle fuer die Infos ueber den Wurm. Er gruesst euch auch recht schoen....

Mittwoch, November 30, 2005

Pura Vida!

Nachdem ich euch schon in der letzten Mail die kulinarischen Freuden Oaxacas geschildert habe, muss ich nach ausgiebigem Genuss aller Koestlichkeiten sagen: Man koennte hier gemuetlich alt und fett werden!

Oaxaca City ist eine tolle Stadt und ich geniesse den Grosstadt-Vibe, der mir am Strand doch manchmal gefehlt hat. Kathedralen, Parks, Bars, Cafes, Kunstgalerien...
Jeden Tag entdecke ich einen neuen Markt. Am Eingang befinden sich meist die Metzger mit sauber aufgereihten Schweinsnasen, Schweinskoepfen, Kalbshirn und Wuerstchen. Wenn man die 50 Meter uebersteht (oder lange genug die Luft anhalten kann) kommt zum Ausgleich die Blumenstrasse in Sicht und man kann in lieblich duftendem Umfeld durchatmen bevor der Geruch der Kanalisation zu stark wird und man in die Schokoladenstrasse ausweichen muss. Dort werden Schokobohnen geroestet, mit Zucker versetzt, cremig geschlagen oder Pralinen gegossen. Dazu der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und Holzofenbrot. Durch die Obststrasse gehts zu den gegrillten Insekten und den Bekleidungsvierteln, deren Schaufensterpuppen gigantische Aersche haben! Dazwischen reihen sich Weihnachtsshopps mit singenden Lichterketten oder musizierenden Kerzenstaendern, Laeden mit religioesem Zubehoer wie Statuen, Amulette, Schutzsteine oder -geister, Kreuze, Totenschaedel, Rosenkraenze und Pulver fuer diverse Lebenssituationen (Schutz des Haustiers, Untreuer Ehemann, boeser Blick...). Zur Info: keine Sorge... der Spinnenbiss ist halb so wild (juckt nur bestialisch) und heilt recht gut. Der Wurm hingegen ist immer noch mein Gast. Er sieht aus wie ein Schatten eines gewoehnlichen Regenwurms und ich sehe ihn nur, wenn ich gegen helle Objekte schaue. Er juckt nicht und tut nicht weh. Da ich ihn auch nicht jeden Tag sehe, denke ich schon kaum mehr drueber nach. Wenn er nicht von alleine verschwindet, muss ich ihn irgendwann gewaltsam verbannen. Doch im Moment stoert er mich nicht.

Bueno, meine Lieben.... Meine Zeit ist abgelaufen (die am Computer versteht sich) und ich muss das Feld raeeumen. Ich werde mich ins Gewuehl des Marktes stuerzen und mir auf dem Weg dorthin ueberlegen, was ich denn heute esse: Tlayuda quesillo, Tacos als Pastor oder doch Pollo con Mole rojo? Oder doch etwas anderes?

Die schwierigen Entscheidungen des Reiselebens....
Liebe Gruesse aus Oaxaca City!

Freitag, November 25, 2005

Klimawechsel

Wie das so ist nach 2 Wochen Strandleben: irgendwann wacht man auf und ist gelangweilt. Immer nur blauer Himmel, sanfte Brise und tolle Wellen... Der Strand ist erkundet, 2 Buecher sind gelesen, der Bauch gebraeunt und die Wellen zu gefaehrlich zum surfen. Die schwerste aller Entscheidungen beim Reisen ist immer: wohin gehe ich? Da wir uns nicht recht entscheiden konnten, haben wir einfach mal gepackt und haben und in Badekleidung ins Auto gesetzt und sind Richtung Berge gefahren. Innerhalb der naechsten 2 Stunden waren drei Stops von Noeten um waermere Kleidung anzulegen. Doch quaelend war es nur fuer die Fuesse, die sich nach wochenlangem barfusslaufen gegen enges Schuhwerk getraeubt haben.

Wir haben uns langsam durch die Berge von Oaxaca auf roundabaout 2000 Meter hochgearbeitet, durch verwunschene Bergdoerfer, ausgewaschene Strassen (Stan war auch hier zu Besuch und die Spuren sind still deutlich zu sehen) oder durch vorbeiziehende Wolken hindurchfahrend. Die Landschaft aendert sich schnell. In einem Moment ist noch alles gruen, voller Bambus, Eukalyptusbaeume und reicher Landwirtschaft an steilen Berghaengen. Im naechsten Moment dominieren Pinienwaelder und mannshohe Farne bevor es eine Weile spaeter braun und voller Kakteen ist. Oaxaca ist das Land des Mezcal (Tequila), Chilies, Chocolate und hat einen auf der Welt einzigartigen Kaese. Wer glaubt, das gehe nicht zusammen, hat noch nie "Mole" probiert. Eine durchfallartig aussehenden Mansche aus Schokolade, Chilies, Oregano, Essig und mehrerer geheimer Ingredienzen... Passt wunderbar zu "huevos rancheros" (ueberbackene Cowboy-Eier) mit Reis, Bohnen und Chili picante.... muy rico!!!

Uebernachtung dann in einem winzigen Dorf auf dem Bergkamm (San Jose del Pacifico), mein Rucksack halbleer weil ich fast alles am Koerper trage und der schrecklichen Gewissheit, dass es zuhause noch kaelter ist. 20 Grad Temperaturunterschied an einem Tag... die Heimreise wird noch extremer.... Aber wenigstens kann ich noch ein bischen mehr shoppen (nur um den Rucksack wieder voll zu bekommen, versteht sich).

Um den Frostfaktor nicht ganz so hoch zu halten sind wir dann am naechsten Tag weiter nach Oaxaca-City, das uns nach dem gemaessigten Strandleben fast wie New York vorkommt. Die Menschen laufen alle viel schneller als wir, es klingeln wieder Mobiltelefone und aus den Kirchen schallt: Stille Nacht, heilige Nacht... Oaxaca ist eine schoene Stadt, koloniale Schaetze, viel geruehmtes kulturelles Miteinander und ausgezeichneten Kaffee, der mich (nach exzessivem Intantkaffeegenuss der letzten Wochen) in den Kaffeehimmel katapultiert hat.
Zudem hat es hier tolle Maerkte, die mir bestimmt den letzten Peso aus der tasche ziehen werden.

Heute mittag mal bei nem Arzt vorbeischaun. Aaron kann kaum laufen, ich habe einen Spinnenbiss, der sich verschlechtert hat und einen komischen Wurm im Auge. Manchmal sieht man ihn, manchmal nicht. Ich weiss, es hoert sich unglaublich an und wenn ich ihn nicht jeden Tag sehen wuerde, wuerde ich es auch nicht glauben... Er tut nicht weh, ich habe nur die Hoffnung auf irgendwelche Tropfen die ihn vertreiben werden. Drueckt mir die Daumen...

Hoffe, Ihr geniesst den Vorweihnachtswahn!!
Liebe Gruesse aus Oaxaca City,
Petra

Donnerstag, November 17, 2005

Beachlife

Da hab ich ja was losgetreten! Nachdem ich mich ueber zuwenig Post beschwert habe, erwarteten mich heute 76 ungelesene Mails. Zugegeben, knapp 40 davon waren Spam, aber kein Grund zur Klage! Ich habe mir ein Loch in den Bauch gefreut. Nur die anderen Leute im Cafe schienen ueber mein Gekicher und Geseufze etwas irritiert... DANKE fuer all die Mails!!!

Nach einer weiteren Woche sind wir nun im Paradies gelandet. Zipolite im Bundesstaat Oaxaca, Mexico. Der Weg dorthin war gepflastert mit 4857 Kurven und mindestens ebensovielen Speedbumbs (Verkehrberuhigungshuegel), ungezaehlten Kuehen (grasend, gallopierend oder fortpflanzend), Hunde (klein, klaeffend und manchmal mehr oder weniger breit gefahren). Dazu Pferde, Huehner, Esel, Schweine und nicht zu vergessen... das Militaer. Klar.

Wir haben in Hotels uebernachtet, die man (auch) per Stunde bezahlen kann und haben in Restaurants gegessen, in denen ich ohne meine Hepatitis A-Impfung nicht mal ne Cola bestellt haette. Aber ich habe mich ins mexikanische Essen verliebt! Scharf, deftig, lecker!!! Und so bestelle ich jeden Tag etwas, von dem ich keine Ahnung habe was es ist- sometimes you win, sometimes you loose...

Die Strecke fuehrte uns von Ercarcega weiter nach Palenque (traumhafte Ruinen), San Christobal de las Casas (wunderschoen aber saukalt) und Salinas Cruz bis hierher. Zipolite ist ein kleines verschlafenes Stranddorf mit sandigen Strassen, einem wunderschoen langen breiten Strand mit perfekt zu surfenden Wellen.


Zwischen 12 und 4 trifft man kaum jemanden auf der Strasse an ausser ein paar im Schatten doesenden Hunden. Es scheint die Siesta hier dauert von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Geniesse das Strandleben in vollen Zuegen und die Tatsache, dass ich ich in einem Teil Mexicos bin, in dem ein kurzer Rock Alltagskleidung und kein oeffentliches Aergernis ist. In dem ein Bikini als vollstaendige Bekleidung fuer Einkaeufe aller Art gilt. Es gibt hier sogar einen Nudebeach aber ich habe mir leider einen unangenehmen Sonnenbrand an nicht naeher beschriebenen Koerperteilen geholt. Muss heute etwas vorsichtig sein. Die einzigen Alltagssorgen die man an einem Ort wie diesem hier hat sind: Moskitostiche am Morgen, Sonnenbrand am Mittag und am Abend ein sandfreies Bett. Schoen, nicht...?


An einem einsamen Strand hier in der Naehe ist vor einem halben Jahr ein kolumbianisches Drogenflugzeug abgestuerzt und liegt dort nun einfach am Meer rum. Die Sonne geht direkt dahinter unter und malt ein seltsames Bild auf den voellig auseinander genommenen Schrotthaufen, aus dem alles ¨wertvolle¨ Gut von Polizei und Pluenderern entfernt wurde. Auf jeden Fall ein toller Ort fuer ein selbstgegrilltes Abendessen zu Sonnenuntergang!

Sodele, ich werf mich jetzt noch ein bischen in die Wellen, die heute perfekt zum Bodysurfen sind. Geniesse den Sand unter den Fuessen und das Leben an sich. Fuer alle, die sich in ihren eMails besorgt gezeigt haben, ich koenne nicht mehr nach Hause kommen wollen: Keine Sorge, ich komme wieder!! Muss jetzt schon meine Pennies zaehlen weil Mexico einfach zu teuer ist und mache mich frueher oder spaeter wieder auf den Weg nach Guatemala... Denn der ist bekanntlich lang und kurvig....

Liebe Gruesse aus Zipolite!
Petra

Und so hängt wird hier Wäsche getrocknet...

Donnerstag, November 10, 2005

Rueckblick

Hola a Todos!
Zum Glueck haben Internetcafes keine Siesta!! Rueckblick: Ich habe meine letzten Tage in Guatemala richtig genossen. War nochmal mit der Mafiabraut shoppen und perfektioniere gerade den Gesichtsausdruck den ich mir von ihr abgeguckt habe: als haette sie gerade an nem Haufen Hundescheisse gerochen... Es funktionert - der Preis halbiert sich in Sekunden!

Belize war wirklich wunderschoen. Im ganzen Land Leben nur 250.000 Menschen und jedes 200 Seelen Dorf wird grosspurig Town genannt. Am Ortsausgang stehen Schilder mit Botschaften wie "Fahre bedaechtig, Deine Familie wartet auf Dich" oder "Bis bald in der Stadt der Gutmenschen". Kirchen aller Art und Couleur. Manche kaum mehr als ein Betonblock, der gleichzeitig als Hurricaneshelter dient. Manche nur Bambushuetten ohne Waende, manche mit aufgedonnerten Barbiepuppen als Heiligenfiguren und riesigen Ghettoblastern. Namen wie "Blackman Eddies Church" oder "7 Days of Love". Und wenn man sie dann alle beieinander sitzen und feiern sieht, koennte man der Kirche fast was abgewinnen: Schwarze Belizeaner neben kleinen Maya neben spanischen Christen neben Mennoniten - alle beten auf Ihre Art und feiern doch gemeinsam.

Nach einem langem Tag im Auto sind wir nun gestern in Ercarcega aufgeschlagen. Die Windschutzscheibe uebersaet mit guatemaltekischen Schmetterlingen, belizeanischen Libellen und mexikanischen Gluehwuermchen, das Auto von den vielen Matschloechern bis zur Unkenntlichkeit entstellt... Auch in Mexiko viele Militaerkontrollen, die wohl eher der Einschuechterung und Praesenz dienen sollen. Wenigstens weiss ich jetzt wie es sich anhoert wenn jemand ne AK47 entsichert. Aber fuer ein freundliches Plaeuschen waren sie alle zu haben. Escarcega ist der weiteren rede nicht wert, viele breite Strassen, viele Fernfahrer und entsprechend viele Stundenhotels...

Ich schlurfe jetzt zurueck ins Hotel, dem man (ausser dem Preis) nur schwerlich etwas abgewinnen kann. Nachher spanischstunde mit Aaron. Ich radebreche froehlich vor mich hin und jeder Tag macht es ein bisschen besser... Kuerzlich wurde ich von nem Deutschen gefragt wo ich denn Deutsch gelernt habe. Es sei zwar holprig aber doch halbwegs fliessend. Ich weiss nicht ob ich das als Beleidigung oder als Kompliment auffassen soll. Schaetze ihr muessts mir wieder beibringen... Ich kriege nur noch Spam-Mails und manchmal frage ich mich ob alle ausgewandert sind oder ob das hier ueberhaupt noch jemand liest...¿

Vorgestern dann noch....
Shit- Internetcafes haben DOCH Siesta.
Hasta luego und allerliebe Gruesse!!

Mittwoch, November 09, 2005

Glueck muss man haben...

Hallo meine Lieben!

Offensichtlich hats mir zwei Posts unterschlagen. Kein Wunder dass ihr euch alle fragt wo ich denn stecke... Lange rede kurzer Sinn... ich habs per Charterflug von der Insel runtergeschaft, es hat und 2 Starts, 2 Landungen und ein Fastabsturz wegen eines immensen Luftlochs gekostet. Das Meer war auf einmal verdammt nah, ein Teil des Cockpits und des Gepaecks flog durchs Flugzeug und die Haelfte der Mitreisenden fing an zu beten. Anstelle der geplanten 10 Minuten hat dieser Hoellentrip 4mal so lang gedauert doch am Ende landeten wir bleich und wacklig in La Ceiba. Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich die Landung eines Piloten beklatscht. Mit Leidenschaft!
Nach dem ich nun weiss, wie sich einordentliches Luftloch anfuehlt werd ich wohl in Flugzeugen NIE mehr wieder so entspannt sein... Diesen Tag haben Bec und ich gebuehrend gefeiert, nicht nur weil wir ihn ueberlebt haben sondern auch weil es unser letzter gemeinsamer war. Nun haben wir 9 Laender in 8 Jahren gemeinsam erlebt und eines ist sicher: Das naechste Mal treffen wir uns dort, wo es garantiert keine Hurricanes gibt!!

Meine Weiterreise ueber Land dauerte 2 Tage, 5 Busse lang, eine Grenzueberquerung im mit Einschlussloechern durchsiebten Pickup.... und am Ende halfen mir 4 bewaffnete Cowboys an einer dunklen Landstrasse den richtigen Bus zu finden... Genug Geschichten fuer ein halbes Buch, doch das soll einandermal erzaehlt werden...

Nachdem ich es also wieder zurueck nach Rio Dulce geschafft hab und mich fuer 2 Tage von den Strapazen der Reise erholt hab, habe ich die Mitfahrgelegenheit genutzt und bin mit Aaron nach Tikal hochgefahren. Die wunderschoenste aller Mayaruinen, 500 Stufen hoch und man steht ueber dem Dach des urwalds und sieht aus dem Dickicht die anderen Ruinen aufragen – ein TRAUM! Man beachte die Strassenschilder innerhalb der Schutzzone...

Nach ein paar weiteren Erkundungen rund um Flores sind wir westwaerts Richtung Belize weitergeduest. Wunderschoene Landschaften mit suessen Doerfern, Schmetterlingschwaerme, am Strassenrand grasende Pferde und jede Menge Cowboys. Checkpoints alle paar Kilometer mit schwer bewaffneten Militaers und Polizisten, die uns aber immer lieb laechelnd durchwinken. Irgendwie fuehlt sichs in der Peten Gegend nicht so an, als waere der Buergerkrieg seit Jahren vorbei... Und um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass wir es so gut geschafft haben. Liegt wohl auch an Aarons Hund, der trotz seines Welpenalters schon einen Meter Koerpergroesse erreicht und mehr wiegt als ich. Das war den Grenzern wohl zu heikel...

Nun sind wir also in Belize und duesen heute weiter nach Mexico. Es ist zwar schweineteuer, spart uns aber wochenlanges ueber holprige Landstrassen gurken... Heute abend werden wir wohl in Chetumal sein um dann ostwaerts unseren Weg Richtung Palenque und San Cristobal de las Casas zu machen. Solltet Ihr also ein paar Tage nichts von mir hoeren liegt das daran, dass Chiapas mit Internetcafes nicht gerade uebersaeht ist. Bin auf jeden Fall auf dem Weg in die Schoenwetterzone!

Liebe Gruesse aus San Ignacio!
Petra

Mittwoch, November 02, 2005

Inselkoller

Hallo!
Das Wetter wird immer schlechter, die naechste Sturmfront sieht von Yucatan auf uns zu und wir haben die Schnauze voll. 3 Tage Pokermarathon waren spitze und haben mir zusaetzlich zu den erspielten Uebernachtungskosten nochmal einen kleinen "Batzen" fuer 5 Euro eingebracht. Den hab ich (Ueberraschung!) in einen Friseurbesuch investiert. Die Wolle ist also wieder ab und ich geniesse es!
Wir haben alles getan, was es bei Schlechtwetter hier zu tun gibt: Billiard gespielt, Kino, Massage oder eben Friseur. Wir haben ausgiebig gekocht oder versucht lange zu schlafen. Ich habe wohl noch nie soviele Postkarten geschrieben, die zudem noch so schoen verziert waren. Freut Euch schonmal...
Doch jetzt ist Schluss: Heute morgen also um 5 Uhr mit gepacktem Rucksack durch den stroemenden Regen um Pier gelaufen, nur um dort 3 Stunden lang vertroestet zu werden. Gegen Mittag sind wir dann in ein Cafe umgezogen, das praktischerweise zwischen den beiden Travelagents platziert ist. Alle Stunde haben wir die Docks abgeklappert. Doch das letzte verbleibende Boot ist zu schwach um mit dem Seegang fertigzuwerden. Und keiner kann sagen, ob es uebermorgen oder in einer Woche wieder auf dem Damm sein wuerde... Nach einer nunmehr achtstuendigen Mission blieb uns nur eine Moeglichkeit: ein Charterflug.

Da eine Menge Menschen weg wollen oder muessen, haben wir uns zusammengeschlossen und eine 15-sitzigen Maschine fuer morgen frueh gebucht. Dauert nur 10 Minuten zum Festland nach La Ceiba und kostet genausoviel wie uns die naechsten Tage hier kosten wuerden. Ob das Wetter es erlaubt, wissen wir noch nicht. Aber wir werden wieder um 5 Uhr morgens bereit sein. Und wenn es noetig ist, werden wir wieder acht Stunden rumstehen. Solange wir nur hier wegkommen. Inselkoller pur.

Das liegt vermutlich auch daran, dass Utila nicht gerade "Honduras pur" ist, sondern eher eine Gringo-Oase. Tauchgeplauder an allen Ecken und Enden, die Locals erscheinen (vor allem nachdem wir die Belizeans kennengelernt haben) nicht gerade freundlich und nach knapp einer Woche haben wir genug davon. Ich will wieder "on the road". Vergeude zuviel Zeit hier, die mir am Ende woanders fehlen wird. Natuerlich war ich mir darueber im Klaren, was es bedeutet wahrend der Hurricaneseason zu reisen. Aber so eine wie heuer haben selbst die Locals hier noch nicht erlebt. Auch hier sehen wir langsam die Auswirkungen an den Regalen der Supermaerkte. Kein Boot: keine frischen Lebensmittel, hohe Wellen: keine Fischerboote die Leckereien bringen. Trinkswasser hats noch genug... im Zweifelsfall trinken wir halt Rum. :)))

Naja auf jeden Fall sind wir (hoffentlich!!) morgen hier weg. Die Strassen auf dem Festland sind wohl angeschlagen aber lange nicht so heftig wie nach Stan. Bloss weg hier!

Auf dass die Mission gelingen wird... Bis bald im Trockenen!
Petra

Montag, Oktober 31, 2005

Hurricane und Halloween

Hallo!
So wies aussieht sind wir einigermassen glimpflich davongekommen. Starker Wind und heftigster Regen fuer 2 Tage... Mit bei uns im Guesthouse... 12 Leute aus 8 Nationen. Da an irgendwelche Aktivitaeten ausserhalb des schuetzenden Daches nicht zu denken war, haben wir einfach alles zusammengelegt was wir hatten und gemeinsam gekocht. Alles kam in die Mitte des grossen Tisches und jeder nimmt sich auf was er Lust hat...

Einer der Jungs hat ueber Wochen lang viele 1-Lempiranoten gesammelt und wir haben ungefaehr acht Stunden lang Poker gespielt waehrend der Sturm getobt hat. Wie es mein Glueck so will hab ich dick abgesahnt und war am Ende der Gesamtsieger mit mehr als 100 Lempira im Plus. Ein knapp 7 cm dicker Stapel Geldscheine... Gegenwert etwa 5 Euro. Hat sich trotzdem angefuehlt wie ein dicker Batzen Kohle. Naja, fuer die Uebernachtungskosten hats gereicht. Je nachdem wie viele Tage ich hier noch mit Pokern verbringe, kann ich meine Reise vielleicht sogar verlaengern.... Wir werden sehen.

Bei jeder noch so kleinen Atempause von Beta schnell den Bikini an und zum Supermarkt rennen um Nachschub zu besorgen. Wasser, Kaffee oder auch mal eine Flasche Rum. Dort konnte man sehen, dass jeder die kleine Regenpause nutzt um unter Leute zu kommen, weil man ja nicht weiss, wie lange der nachste Sturzregen dauert. Da wir einen Generator haben, merken wir nicht einmal wenn der Strom ausfaellt. Da vermutlich auch in den naechsten Tagen kein Boot fahren wird, haengen wir noch eine Weile hier fest. Aber unter diesen Umstaenden laesst es sich sehr gut aushalten.


Mittlerweile hab ich zum ersten Mal seit einem Monat wieder eine deutsche Konversation, die sich am Anfang nicht angehoert hat als waere ich Muttersprachler... Das Schwaebisch war weg und ebenso mein Satzbau... So kommt es, dass ich mich auch mit den Deutschen hier meistens auf Englisch unterhalte. Hab schon beim Telefongespraech mit meinen Eltern gemerkt, dass ich Probleme mit der deutschen Grammatik habe... Hoffe, es hat sich nicht zu schlimm angehoert. Ich werde es wieder lernen... bestimmt! :)

Sodele, das Kartenspiel wartet und der Regen legt wieder zu. Schnell zurueck ins Trockene! Alles Liebe aus der Isolation!!!
Petra

Samstag, Oktober 29, 2005

Nur ein Regenschauer


Hallo meine Lieben!

Und schon wieder ist ein Sturm im Anmarsch... Vorgestern noch sah alles strahlendblau aus und heute hat Beta schon die Kueste von Nicaragua erreicht. Die gestrige Ueberfahrt war besser als jede Achterbahnfahrt und nicht nur ein paar Leute waren deutlich seekrank. Laufen auf dem Schiff war beinahe unmoeglich, man wurde einfach nur hinund hergeschleudert. Morgens noch hat uns der Kaeptn persoenlich sein Boot vorgefuehrt und erklaert, er muesse es erst noch reparieren, bevor es in der Lage sei, die Ueberfahrt zu schaffen. Wir sollen einfach um 4 Uhr wiederkommen. Leider konnte einer der Propeller nicht repariert werden, was die ganze Sache turbulent werden liess. Aber wir haben es gut ueberstanden, ich bin NICHT seekrank geworden sondern habe die Schaukelei sehr genossen und hab das Land (zwar schwankend) aber sicher erreicht...

Genau zu der Zeit setzte der erste Regen ein und mein wasserdichter Sack hat sich wieder einmal bestens bewaehrt. Nachdem die Voraussagen nicht so gut aussehen, werde ich gerne darauf verzichten, jetzt und hier meinen Tauchschein zu machen, das muss wohl doch noch ein bischen warten... Schorcheln geht nur bedingt weil die Wellen schon recht hoch sind, aber wir werden wohl heute mittag in der Lagune Kajaken koennen. Mein erster Impuls nach den CNN/Nachrichten heute morgen war... schnell weg hier!

Aber nachdem wir uns jetzt mit ein paar Leuten unterhalte haben, wissen wir, dass wir hier viel sicherer sind als auf dem Festland. Nachdem ich schon bei Stan gesehen habe, was Erdrutsche anrichten koennen, ist es wohl besser, den Sturm hier auszusitzen. Anstelle mit klapprigen Bussen durch winzige Dorfer zu gurken, nur um in irgendeiner Holzhuette zu stranden und alles andere als sicher zu sein.
Aber hier auf Utila gibt es keine Huegel die auf uns rutschen koennen, wir wohnen in einem stabilen Gebaeude, das schon Hurrican Mitch ueberstanden hat. Selbst bei Wilma ist das Wasser nur bis zur Hauptstrasse geschwappt und hat keinerlei groessere Schaeden angerichtet.
Als erste Vorsichtsmassnahme werden wohl ab morgen frueh ie Haefen fuer ein paar Tage geschlossen. Wir werden es uns hier so gemuetlich wie moeglich machen. Haben gestern in La Ceiba noch einen Grosseinkauf hinter uns gebracht und da wir hier eine eigene Kueche haben, werden wir uns heute abend was leckeres koecheln. Vermutlich wird es auf Knoblauchkartoffeln mit Guacamole und Tomatenpapaya Salat mit Tortillas herauslaufen. Hmmm... hab jetzt schon Hunger...

Macht Euch also keine Sorgen, hier sind alle seeeehr entspannt. nach dem Motto... Ist ja nur ein Hurrican Stufe 2, also quasi nur ein Regenschauer. Ich schliesse mich dem an. Ich drueck euch!!!
Alles Liebe nach Hause...

Freitag, Oktober 28, 2005

Statistiken der letzten drei Tage

Hola a todos!
Heute bekommt Ihr mal ein paar Zahlen um die Ohren....

In den letzten drei Tagen war ich in drei Laendern und habe sechs neue Stempel in den Reisepass bekommen.... zwei davon tragen das falsche Datum....

Ich habe sieben Busse benutzt. Einer hat sich verfahren, einer ging kaputt und einer hat uns vor der Grenze aussteigen und zu Fuss weitergehen lassen....

Insgesamt hatten meine Transportmittel rund sechs Stunden Verspaetung....

Ich sass in vier verschiedenen Booten und wurde zweimal komplett nass....

Ich hatte zum ersten Mal seit knapp drei Wochen wieder eine lauwarme Dusche!

Zwei Tage in Belize haben mich soviel gekostet wie eine knappe Woche Guatemala....

Der letzte Punkt ist auch der Grund warum ich mittlerweile in La Ceiba, Honduras angekommen bin. Morgen gehts mit der sogenannten Faehre (vermutlich wieder eine Fehletikettierung eines 10sitzigen Bootles) nach Utila... ein paar Tage schnorcheln, Sand unter den Fuessen und noch mehr leckeren Fisch.... Zu viele Hotelzimmer und zurueckgelegte Kilometer in der letzten Woche. Ich bremse mich runter und lass es fuer ein paar Tage langsam angehen...

Schick Euch liebe Gruesse ! ! !
Petra


Mittwoch, Oktober 26, 2005

Welcome To Belize...

Das waren die ersten Worte die ich hoerte als ich aus dem Boot stieg. Der Immigration-Officer grinst mich breit an und sagt: Rebecca is already waiting for you at the Nature Guesthouse... Was fuer eine schoene Begruessung. Zeigt sie doch schon ohne viele Worte wie das Leben hier laeuft. Wenn ich Livingston schon als sehr gemuetlich beschrieben habe, so ist es im Vergleich zu Punta Gorda beinahe hektisch... Die Leute hier sind so entspannt, dass sie sich nicht mal die Muehe machen, den Namen Ihrer Stadt ganz auszusprechen... hier heisst es ganz einfach PG.

Karibische Straende, Hibiskusstraeuche an jeder Ecke und beim Aufwachen sehe ich vom Bett aus das Meer... So laesst sichs leben.... Ansonsten gibts hier nichts so tun ausser: Nichts. Am Meer liegen, spazieren, das Leben geniessen und sich z.B. über Wassertankstelle und seltsame Parks wundern, in denen man mit dem Rücken zum Meer sitzt. Wir sind gestern locker 10 km gelaufen und kannten danach die ganze Stadt und ihre Einwohner...


Da die Preise hier locker dreimal so hoch wie in Guatemala sind, werde ich mich wohl schon bald wieder in Richtung zurueck aufmachen. Der Plan ist, ueber Puerto Barrios nach Honduras zu fahren und auf den Bay Islands ein wenig dem suessen Schnorchel-Leben zu froenen...

Karibische Gruesse!
Petra

Dienstag, Oktober 25, 2005

Transformation die Zweite!

Fuer alle, die bei der Beschreibung meiner Transformation neidisch geworden sind... es gibt da auch ein paar Negativ-Aspekte. Die da waeren: mindestens 40 Mosiktostiche und diverse Andere (ungeklaerter Herkunft), konstant dreckige Fuesse vom barfusslaufen und permanenter Schweissfluss. Nur der Vollstaendigkeithalber....

Schweren Herzens und mit einer grossen Traene im Knopfloch habe ich Rio Dulce verlassen. Hab die letzten Tage richtig schoen ausgekostet. Der Lago Izabal hat wegen seiner versteckten Lage schon frueher Piraten als geheimes Zwischenlager ihrer Beute gedient. Ich musste feststellen, dass das heute noch so ist. Nur heissen die Piraten heute Mafia. Aaron und ich waren bei einer Familie zum Essen eingeladen und haben dadurch einen (nicht immer) schoenen Einblick in das harte Leben der Guatemalteken bekommen. Erst Tage spaeter musste ich feststellen, dass diese Familie zu den einflussreichsten Mafiafamilien in der Gegend gehoert. Ihr koennt Euch vorstellen wie erleichtert ich bin, dass sie mich gut leiden koennen... Offensichtlich ist auch den anderen Bewohnern unser Kontakt zu der Familie nicht unentdeckt geblieben und man wird deutlich respektvoller behandelt. Man ist halt kein normaler Gringo mehr.

Generell muss ich sagen, dass ich in noch keinem Land der Welt so viele Waffen gesehen habe. Auf den Strassen sieht man mannigfaltig verschiedene Uniformen und man hat keinen Durchblick wer offiziell ist oder nur so aussieht. Anyway, wer ne grosse Wumme hat, zu dem ist man immer freundlich. Selbst kleinere Laeden leisten sich einen Securitymann mit ner AK47.

Man weiss nicht ob man sich dadurch beruhigt fuehlen soll oder nicht....

Apropos kleinere Laeden: Ich entdecke hier wahre Wirtschaftswunder. Ein Shop auf der Hauptstrasse verkauft Autoteile neben Babywindeln, Tuetensuppen neben Waschmittel, Augenbrauenrasierer neben Motoroel und Handytaschen neben Haushaltsschuerzen. Alles bunt durcheinander gemischt... Und wenn man lieb fragt gibts hinter der Theke noch vieles mehr.

Nun bin ich also an einem Sonntagmittag in Livingston angekommen. Schon unter der Woche ist hier alles so gechillt, dass Rush-Hour bedeutet, wenn mehr als 1 Auto und 2 Mopeds auf der Hauptstrasse sind... Sonntags schlendern alle noch gemuetlicher, sitzen im Schatten Ihrer Haeuser und grillen, singen, flechten Zoepfe und geniessen die kuehle Zeit. Der Geruch ist eine Mischung aus fischigem Wasser und frisch gemaehtem Gras, Bluetenstaub und Kokoscurry, verfeinert mit etwas Cannabis und einem Hauch Benzin. Heute dann eine schoene Tour durch die Suempfe, am Strand entlang bis zu den natuerlichen Swimmingpools der Siete Altares. WIlde Ananasbuesche, Zitronengras, Papayabaeme und alles was so leckeres in einen Kochtopg gehoert. Das hat mir ordentlich Hunger gemacht und ich werde mir heute abend ein leckeres Fischcurry indischer Art leisten.

Morgen frueh um 7 gehts mit der Faehre nach Punta Gorda, Belize wo ich mich mit Bec wiedertreffe bevor sie bald suedwaerts duest. Da es hier nicht sowas wie einen Zoll gibt, musste ich heute ins Migrations-Office und habe mir meinen Ausreisestempel schon abgeholt. Offiziell bin ich also hier schon weg und trotzdem noch nicht in Belize. Da ich noch nicht weiss, ob und wie Internetten moeglich sein wird, macht euch keine Sorgen wenn Ihr ein paar Tage nichts von mir hoert. Bin vermutlich gegen Ende der Woche wieder In Guatemala (das Budget schonen) und lasse aus Puerto Barrios von mir hoeren. Oder aus Rio Dulce... Wer weiss das schon so genau... Lasst Euch ueberrraschen. Ich tus auch....

Liebe Gruesse!!!!!!!

Donnerstag, Oktober 20, 2005

Transformation

Buenas Tardes!

Gerade eben hab ich die beste Zeit des Tages in vollen Zuegen genossen. Die Sonne bereits verschwunden aber noch nicht dunkel, die Strassen angenehm leer aber noch lange nicht einsam. Der Himmel faerbt sich violett, die Lichter in den Haeusern sind schon an und die Herdfeuer qualmen schon. Anstelle der Hupen der Chickenbusse treten nun die Voegel und die Zikaden. Ich setze mich an den Hafen und schaue zu wie die letzten Fischer eintreffen und ausladen.
Sie haben massenhaft Mahi-Mahi mitgebracht und den gibts nachher mit viiiel Knoblauch - gegen die Moskitos, die leider zur besten Stunde des Tages auch sehr aktiv sind.

Nach nunmehr drei Reisewochen stellt sich bei mir das Gefuehl ein, angekommen zu sein. Die viele Zeit auf und am Wasser hat den deutschen Sommer aus meinem Geischt getrieben. Die Striemen der Flipflops zeichnen sich weiss auf meinen Fuessen ab, die Augenringe sind verschwunden, die rausgekotzten Kilos sind wieder da und ich musste beim Blick in den Spiegel (der erste seit einer Woche) feststellen: ich sehe gut aus! :))

Zugegebenermassen ist das Staedchen Rio Dulce weder optisch noch akustisch ansprechend. Aber der See und das Umland hier sind wirklich wunderschoen. Heisse Wasserfaelle, Hoehlen, palmenbestandene Kuhweiden soweit das Auge reicht, verwunschene Fluesschen durch enge Taeler mit dem Geschrei der Bruellaffen in den Ohren. Da wir viel mit Aarons Auto unterwegs sind, koennen wir stoppen wo es uns gefaellt und sind nicht auf ueberfuellte Chickenbusse angewiesen. Der Vierradantrieb erlaubt uns auch die entlegenste Ecke zu erkunden.
Der Vorteil, wenn man laenger an einem Ort verweilt, ist: man lernt die richtigen Leute kennen. Segler, die einem nur zu gerne Ihre dicken Katamarane vorzeigen oder auf ne Spritztour mitnehmen. Ich habe bestimmt 20 Boote besucht, bei manchen lag die Wohnflaeche deutlich oberhalb der meinerWohnung - Vom Komfort ganz zu schweigen...

Bin verdammt froh, dass ich jetzt nicht wie geplant in Belize bin sondern den Hurricane hier aussitzen kann und danach gen Bay Islands Honduras weiterziehen.

Schick euch liebe Gruesse und mach mich jetzt ueber den Mahi-Mahi her...

Sonntag, Oktober 16, 2005

Planaenderung Nummer 18

Hola meine Lieben!

Fuer alle die wegen des aufkommenden Hurrikans in Sorge sind: Ich bin immer noch am Lago Izabal und werde erstmal hierbleiben bis sich herausstellt wo er auf Land treffen wird. Wir kriegen hier zwar schlechtes Wetter ab, sind aber durch die Berge gut geschuetzt.

Ein weiteres Beispiel dafuer wie klein die Welt ist... Habe hier einen alten Bekannten getroffen, den Tanja und ich vor 6 Jahren in San Francisco kennen gelernt haben. Aaron lebt (momentan) hier und ist gerade dabei, sich nach einem geeigneten Boot umzuschauen. Da mir die Gegend hier besser gefaellt und ich nicht gleich weiterziehen will, ist Bec ohne mich nach Flores gezogen und wir werden uns irgendwann in der naechsten Woche wieder (wo auch immer kein Sturm ist) treffen. Wir sind taeglich in Kontakt und checken die Wetterlage.

Melde mich die Tage aus dem Paradies...
Liebe Gruesse,
Petra

Freitag, Oktober 14, 2005

Karibisches Feeling

Zuerst mal DANKE fuer alle eure lieben Mails! Tut gut zu wissen, dass ihr alle an uns denkt! Da die Verbindungen hier nicht nur langsam sondern auch teuer sind, beschraenke ich mich auf den blog...

Wir sind mittlerweile an der oestlichen Kueste Guatemalas angelangt. Auf dem Weg dorthin war die Veraenderung deutlich sicht- und spuerbar. Tabakfelder und Ranches mit fantastischen Pferden, Kakteen und bunte Hibiskusbuesche, eine deutliche Verbesserung des Klimas und Sterigerung der Luftfeuchtigkeit. In Rio Dulce war dann schlagartig schwitzen angesagt. Nachdem ich innerhalb weniger Minuten unzaehlige Moskitostiche hatte und gesehen hab, wie sumpfig die Gegend ist, hab ich mich schlagartig doch dafuer entschieden, meine Malariaprophylaxe einzunehmen... Gegen Dengue hilft die zwar nicht aber wir umgeben uns mit rauchenden Moskitocoils und baden foermlich in Repellent...

Gestern dann die erste Mitsegelgelegenheit: Auf einem 40-Fuss Katamaran ueber den Lago Ixabal, der groesstenteils unbewohnt ist. Pelikane und Haubentaucher, Wasserlilien und Mangovenwaelder, winzige Fischerdoerfer aus Stelzen und riesige wasserlaufende Spinnen.
Und wir schaukeln sanft daran vorbei.... Der See geht irgendwann wieder in den Rio Dulce ueber und man gelangt durch eine kilometerlange Schlucht, deren Klippen an die 100 Meter aufsteigen und mit dichtestem Urwald bewachsen sind, nach mehreren Stunden an eine Bucht. Ploetzlich oeffnet sich das Dickicht und vor uns liegt: die Karibische See!!! Rechts gehts nach Honduras, links nach Belize und geradeaus nach Jamaica! Unser erster Impuls: ab ins lauwarme Wasser und mit daemlichen Grinsen treiben lassen.... Scheiss auf den Sonnenbrand, ich bin in der Karibik!

Die Hafenstadt Livingston war viel kleiner als ich es erwartet hatte und es fuehlt sich an, als haette man eine Grenze ueberschritten ohne die Grenze ueberschritten zu haben. Obwohl es noch zu Guatemala gehoert, riecht es, schmeckt es und sieht es aus wie Karibik pur. Rastafaris, Krokodile, Papageien und ein Schwarm von Tausenden Libellen begruessen uns. Wir haben nur ein paar Stunden Aufenthalt... die Rueckfahrt nach Rio Dulce dauert 3 Stunden und wir wollen mit dem nachmittaeglichen Wind zuruecksegeln. Jedoch nicht ohne vorher nochmal ein Bad zu nehmen. Wie es der Zufall will, treffen wir einen netten englischen Gentleman - grauhaarig, charmant und Besitzer einer Segeljacht, der auf der Suche nach einer Crew ist um sein Boot aus die Bay Islands (Utila und Roatan) nach Belize zu ueberfuehren. Wir werden evtl morgen kleinen Testlauf starten um zu sehen, wie gut wir miteinander auskommen. Bec kann Motoren reparieren und ich werde fuer alle anderen sklavisch anmutenden Arbeiten eingesetzt...

Da ich herausgefunden hab, dass ich mir Mexico bzw Yucatan sowieso kaum leisten kann, ist der neue Plan nun, gemeinsam mit Bec gen Honduras zu reisen (segeln oder nicht segeln macht keinen Unterschied) und dort ein wenig die Seele baumeln lassen. Tauchkurse sind dort so guenstig wie nirgendwo und vor der Tuer liegt das 2tgroesste Korallenriff der Welt. Sounds like a Plan... Davor wollen wir aber erst noch gen Norden um uns Tikal anzuschauen und dann ostwaerts durch Belize und suedwaerts gen Honduras. Da wir uns Belize sowieso nicht mehr als ein paar tage leisten koennen werden wir sehen, wie schnell wir wieder in Livingston sind...

Ich halte euch auf dem Laufenden um verbleibe mit daemlichen Grinsen,
Eure Petra

Dienstag, Oktober 11, 2005

Bec's Blog

fuer alle, die der englischen sprache maechtig sind: hier bec's blog.
www.wanderingfaeries.modblog.com

adios!

alltag in antigua

alle die schon einmal mit mir gereist sind (wenn auch nur durch stuttgart), werden um meine beschraenkte orientierungsfaehigkeit (stark untertrieben) bescheid wissen. als grafisch ausgerichteter mensch der keine karten lesen kann, orientiere ich mich an lustigen baeumen oder bunten haeusern. hier jedoch hat man, um die koloniale optik zu erhalten die strassenschilder entfernt... und da jedes 2. haus bunt ist faellt es mir noch schwerer, mein ziel in direkter linie zu erreichen. es macht mir nichts aus, nicht zu wissen, wo ich mich gerade befinde und ausserdem tut es meinen spanischkenntnissen gut... zudem ist bec eine echte orientierungsrakete - glueck fuer mich!

heute ein klassischer traveller-alltag. zuerst zur apotheke, mittelchen fuer die diversen klassischen traveller-zipperlein besorgen: mysterioeser auschlag am arm, entzuendete bettwanzenstiche und mehr anti-kotz-tabletten... danach zur bank und post, anschliessend auf den markt snacks fuer die morgige lange fahrt besorgen. heute abend goennen wir uns noch ein gutes essen (gewicht zulegen) und danach kann mal wieder der rucksack gepackt werden... der wetterbericht hoert sich gut an, der naechste stum ist nur noch als "tropical depression" kategorisiert und somit ist alles im gruenen bereich!
nur eines noch: nach den mails die mich erreichen, scheinen viele zu glauben, wir seien auf die karibische insel antigua gefluechtet. wir sind in der STADT antigua in guatemala! haben aber heute unser busticket an die karibische seite guatemalas reserviert. morgen frueh gehts los! ab in die schwuele waerme!
bis zum naechsten mal... allerliebste gruesse!

petra


achja - und einen job hab ich auch schon angeboten bekommen: als bardame! soll das heissen, wir waren zu oft dort oder sieht man mir noch die stigmata vom caipi-stoesseln an? ich weiss es nicht aber wenn das budget am ende knapp wird, werde ich gerne darauf zurueckkommen. jetzt wo ich mich halbwegs hier orientieren kann... aber keine angst: ihr werdet mich nicht los! ich komme wieder! und das ist keine drohung sondern ein versprechen!!!!!!!!!!

Sonntag, Oktober 09, 2005

Stand der Dinge

hola a todos!
bin immer noch in antigua und wie angekuendigt haben wir uns an dem abend heftigst betrunken und ueber die sachen geredet die wir gesehen haben... tut GUT nicht alleine zu sein... irgendwie ist die lage im land immer noch gespalten. ticket-agents verkaufen immer noch reisen in die betroffene region und viele reisende sind sich nicht darueber bewusst wie schlimm es dort wirklich ist. auf der anderen seite sind schaufeln und gummistiefel in jedem laden ausverkauft und man sieht taeglich hunderte von pickups mit hilfswilligen die stadt verlassen. sammelaktionen fuer kleidung, wasser und medikamente laufen an jeder ecke und alle packen mit an.

manche verstehen nicht, warum wir nicht laenger in solola geblieben sind um zu helfen. denn die freiwilligenarbeit war ja unter anderem das, was ich hier tun wollte.... klar war die fahrt aus dem gebiet heraus gefaehrlich... aber drin zu bleiben war unserer meinung nach unsinnig. nur 2 weitere muender zu fuettern, 2 weitere betten belegt, die besser den menschen zu gute kommen sollten, die es aus dem hexenkessel am atitlan-see herausgeschafft haben. wir sind buchstaeblich mit den letzten quatzales und der letzten wasserflasche die wir hatten, hier angekommen.

momentan sind wir noch zu ergriffen von dem gesehenen und erlebten, dass wir uns erstmal um uns selber kuemmern muessen. es gibt genuegend hilfswillige, die jetzt schlamm schaufeln wollen und koennen... wir gehoeren nicht dazu. ich will erstmal nichts mehr davon sehen. stellt euch einfach die schlimmsten bilder vor die ihr im fernsehen gesehen habt. rechnet denen noch die gerueche und geraeusche dazu und ihr koennt euch vielleicht ein bild der situation machen.

doch wir halten uns wacker und haben uns bereits 2 sitze in einem shuttlebus gen karibik reserviert. dienstagnacht gehts richtung lago izabal am rio dulce. dort werden wir fuer ein paar tage die gegend erkunden, durchatmen, abschalten, die hitze geniessen und hoffentlich ein paar krokodile zu gesicht bekommen bevor wir flussabwaerts richtung livingston schippern werden. karibik-feeling und genuegend abstand zum naechsten sturm (der offensichtlich schon im anmarsch ist), ist genau das was wir jetzt brauchen....
hasta luego, eure petra

es ist zur abwechslung mal schoen, dass mein name hier immer wieder begeisterung hervorruft - sie finden ihn exotisch...
:)))))